Trotz steigender Inflationserwartung: Zentralbank senkt Leitzins auf 14%

Die russische Zentralbank hat ihre Wachstums- und Inflationsprognose für dieses Jahr deutlich korrigiert: Die Inflation soll im Dezember 2026 bei 6% bis 7% liegen statt der noch im April von den Währungshütern erwarteten 4,5% bis 5,5%. Die BIP-Prognose für 2026 senkte die Zentralbank um einen halben Punkt auf 0-1%.

Dies gaben die Währungshüter am vergangenen Freitag bekannt, als sie den Leitzins von 14,25% auf 14,0% gesenkt. Es war die zehnte Senkung in Folge und entsprach nicht der Markterwartung. Gegenüber der Wirtschaftszeitung RBC hatten 26 von 30 Analysten mit einer Zinspause gerechnet, da die Inflationserwartung der Bevölkerung ansteigt. Seit Juni 2025 hat die Zentralbank den Leitzins vom Höchststand von 21% um insgesamt 7 Prozentpunkte gesenkt. 

Benzinpreis treibt die Inflation

Im Juni stieg der Verbraucherpreisindex laut der Statistikbehörde Rosstat um 0,9% gegenüber dem Vormonat, nach 0,2% im Mai. Die Jahresrate kletterte von 5,3% auf 6%. Haupttreiber sind die Benzinpreise: Sie stiegen von Januar bis Juni um 16%.

Im Jahresdurchschnitt 2026 gegenüber 2025 wird der Index der Verbraucherpreise laut der neuen Prognose der Zentralbank um 5,9% bis 6,2% steigen. Im April hatte sie die durchschnittliche Inflationsrate für das Jahr 2026 noch merklich niedriger auf 5,1-5,6% veranschlagt.

Die Inflationserwartungen der Haushalte sprangen im Juli von 12,4% auf 14,7% – der höchste Wert seit März 2022. Die Preiserwartungen der Unternehmen stiegen von 15,8 auf 20,2 Punkte, das Maximum seit der Mehrwertsteuererhöhung im Januar. „Sollten sie so hoch bleiben, könnte dies eine nachhaltige Verlangsamung der Inflation behindern“, warnt die Zentralbank in ihrer Pressemitteilung. 

Langsamere Zinsschritte, Anhebung nicht ausgeschlossen

Die Zentralbankchefin Elwira Nabiullina kündigte ein langsameres Tempo bei den Zinsschritten an: Für 2026 erwartet sie einen durchschnittlichen Leitzins von 14,5% bis 14,6%, für 2027 von 10,5% bis 12,5%. Im April lag die Spanne für 2027 noch bei 8% bis 10%. Nabiullina begründete die härtere Zinslinie mit neuen Risiken: „Ein erheblicher Teil der neuen Risiken hängt mit dem Rückgang der Produktionsmöglichkeiten zusammen. Sollten die Angebotsbeschränkungen länger andauern als im Basisszenario angenommen, kann das die Inflation beschleunigen.

Nabiullina rechnet damit, dass die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten bis Jahresende wiederherstellen. In ihrem Statement erklärte sie: „Mit der Stabilisierung des Kraftstoffmarktes dürften die Inflationserwartungen sinken. Sie zeigten bereits als Reaktion auf die Mehrwertsteuererhöhung eine ähnliche Entwicklung und fielen nach einem kurzen Anstieg ziemlich rasch wieder.“

Eine spätere Zinserhöhung schloss die Zentralbankchefin nicht aus, beschwichtigte aber: „Sich vorab auf eine solche Entwicklung einzustellen und den Leitzins präventiv nach oben zu reißen – dafür gibt es aus unserer Sicht keinen Anlass.“

Michail Wassiljew, Chefanalyst der Sovcombank, erwartet vorerst Stillstand: „In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins bis Dezember bei 14% halten wird.“ Die Märkte reagierten positiv auf die unerwartete Zinssenkung: Der Kurs der Moskauer Börse Moex stieg am Montag bis Redaktionsschluss um mehr als 2% auf 2220 Punkte. Der Rubelkurs bewegte sich kaum.

Schwaches Wachstum, teure Kredite

Die russische Wirtschaft spürt die Auswirkungen der straffen Geldpolitik. Die Zentralbank erwartet in ihrer aktualisierten Prognose einen Rückgang der Bruttoinvestitionen um 1,5% bis 3,5% statt eines Anstiegs um 1% bis 3%. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Januar bis Mai nur um 0,2%. Die Geschäftserwartungen zu Nachfrage und Produktion sanken zuletzt deutlich: Der Geschäftsklima-Indikator der Zentralbank fiel im Juli von +0,9 auf minus 3,6 Punkte. 

Die russische Regierung senkte ihre BIP-Prognose für 2026 bereits Mitte Mai auf 0,4% – im September 2025 hatte sie noch 1,3% erwartet, im April 2025 sogar 2,4%. Alexander Muritschew, Vizepräsident des russischen Unternehmerverbands RSPP, beziffert die Kreditkosten für Unternehmen auf 18% bis 20% pro Jahr und kritisierte: „Das strikte Festhalten am Inflationsziel um jeden Preis wirkt sich bereits negativ auf den Investitionszyklus aus. Die Anlageinvestitionen dürften im ersten Quartal 2026 um 14,3% gesunken sein.“

Es gehe nicht darum, das Ziel der Preisstabilität aufzugeben, sondern vielmehr darum, ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Inflationsbekämpfung und der Erholung der Wirtschaft zu finden, so der Vizepräsident des einflussreichen Wirtschaftsverbandes. 

Quelle: Ostwirtschaft.de; Reuters (EN); Vedomosti, Finam, RSPP (alle RU)


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28.07.2026

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