Prognosen deutscher Wirtschaftsinstitute: wenig Wachstum in Russland

Die fünf führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute veröffentlichten im März ihre „Frühjahrsprognosen“ für die Weltwirtschaft. Im Vergleich mit ihren Mitte Dezember veröffentlichten „Winterprognosen“ haben sie angesichts des aktuellen starken Anstiegs der Energiepreise ihre Erwartungen für das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2026 leicht angehoben. Die Spanne der Prognosen der Institute reicht nun von 0,8% bis 1,3% gegenüber 0,6% bis 0,9% vor drei Monaten.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI) beließ seine Prognose für das Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2026 unverändert bei 0,8%, für 2027 rechnet das Institut mit einem russischem BIP von 1%. Am stärksten erhöhte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Prognose von 0,5% auf 1,0% BIP-Zuwachs. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) erwartet jetzt 0,9% Wachstum in Russland im Vergleich zu 0,6% im Winter, für das nächste Jahr liegt die Prognose bei 1,1%. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) sagt 1,1% im Vergleich zu 0,7% vor drei Monaten voraus, für 2027 prognostiziert das IWH einen leichten Rückgang auf 1%.

Leichter Wachstumssprung

Das Münchner ifo Institut rechnete bisher im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 0,9%. Dabei wäre das Institut geblieben, wenn es zu keinem Krieg im Iran und dem Anstieg der Energiepreise gekommen wäre. In seinem neuen „Deeskalationsszenario“ mit einem baldigen Ende des Krieges und einem schwachen Ölpreisanstieg erwartet das ifo Institut jetzt für 2026 in Russland ein etwas höheres Wachstum von 1,1%. In einem „Eskalationsszenario“ mit einem Ölpreisanstieg um rund 20% geht das ifo Institut von einem noch etwas stärkeren BIP-Anstieg von 1,3% aus.

Zuversichtlicher zeigen sich die von der russischen Zentralbank Mitte März befragten Analysten. Die insgesamt 30 Umfrageteilnehmer erwarten nach einer Stagnation des Wachstums des realen Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr, als das BIP von 4,9% im Jahr 2024 auf 1% gesunken war, für 2026 einen leichten Anstieg auf 1,6%.

Kapitalstock erodiert

Als einziges der fünf deutschen Institute bietet die Frühjahrsprognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) auch einige Erläuterungen zur aktuellen Konjunkturentwicklung in Russland. Das IfW erklärt die deutliche Verlangsamung des russischen Wirtschaftswachstums auf 1,0% im Jahr 2025 damit, dass die russische Wirtschaft derzeit wohl an den Grenzen ihrer Kapazität operiere.

Hier mache sich der Verlust an Arbeitskräften durch den Ukraine-Konflikt und Auswanderung bemerkbar, zunehmend aber wohl auch die sanktionsbedingten Probleme bei der Erhaltung und Modernisierung des Kapitalstocks, erklärt das Kieler Institut. Die Konjunkturforscher stellen einen weiteren wichtigen Aspekt heraus: die Verringerung finanzieller Ressourcen Russlands zur Fortsetzung des Ukraine-Konflikts. Dies erklärt das Institut durch rückläufige Ölpreise und verschärfte Sanktionen gegen Russland im vergangenen Jahr.

Energiepreisschock erfasst Deutschland

Der durch den Iran-Krieg verursachte Energiepreisschock trübt die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum ein. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr nur noch um 0,6% und im kommenden Jahr um 0,9% wachsen, geht aus der am vergangenen Mittwoch veröffentlichten „Gemeinschaftsdiagnose“ fünf deutscher Wirtschaftsinstitute hervor. Dabei handelt es sich um das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen, das Ifo-Institut München, das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das IWH Halle und das DIW Berlin.

Damit fällt die Korrektur ungewöhnlich stark aus: Im Herbst hatten die Institute noch mit 1,3% und 1,4% Wachstum gerechnet. Ohne die höheren Energiepreise wäre die deutsche Wirtschaft laut der Gemeinschaftsdiagnose um 0,9% dieses Jahr und 1,2% nächstes Jahr gewachsen. „Die Prognosen hängen entscheidend vom weiteren Verlauf der Energiepreise ab“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Bislang stufen wir die Krise als weniger gravierend ein als die Coronapandemie oder die Folgen des Ukrainekriegs“, so Wollmershäuser.

Die Institute halten drei Szenarien für möglich. Im wahrscheinlichsten Szenario, in dem die Institute auf 0,6%und 0,9% Wachstum kommen, gehen sie davon aus, dass die Preise für Öl und Gas nicht mehr allzu sehr steigen, weil die Straße von Hormus ab Sommer wieder passierbar sein wird. Sollten die Energiepreise länger hoch bleiben und die Transportschiffe die Straße von Hormus noch über viele Monate nicht befahren können, wächst das BIP in Deutschland dem zweiten Szenario zufolge im laufenden Jahr nur um 0,4% und im kommenden Jahr um 0,6%. Im dritten und schlimmsten Szenario könnte es auf aufgrund von fehlendem Gas oder Öl zu Produktionsstillständen in Deutschland kommen. Genau Zahlen zu dieser möglichen Entwicklung haben die Institute nicht vorgelegt. 

Quelle: Ostwirtschaft.deDIWIWHIfWRWIIfo InstitutHandelsblatt; Interfax (RU)


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09.04.2026

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