In den ersten Monaten dieses Jahres bleiben die Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen trüb. Von einer Aufhellung der Stimmung kann kaum die Rede sein. Das ergibt die jüngste Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer DIHK, an der rund 26.000 deutsche Unternehmen teilnahmen.
Handel unter Druck
Nur 16% der Betriebe gehen für die kommenden zwölf Monate von besseren Geschäften aus. Ein Viertel der Unternehmen hingegen rechnet mit einer Verschlechterung. Besonders düster sind die Aussichten im Handel. Dort entfalten selbst saisonale Impulse nicht mehr die frühere Wirkung, weil die Konsumzurückhaltung zum vorherrschenden Trend geworden ist. Nur 18% der Betriebe im Handel bewerten ihre Geschäftssituation als positiv, aber ein Drittel als schlecht. Die schwache Inlandsnachfrage wird von den Betrieben als das größte Geschäftsrisiko angegeben. Dabei dämpft auch die anhaltende Schwäche der Industrie die Nachfrage. Selbst Unternehmen kaufen nur verhalten ein.

Chronischen Charakter hat vor allem die Krise des Einzelhandels genommen, der durch große Onlinehändler und außereuropäische Plattformen massiv unter Konkurrenzdruck steht. Daher liegen die Geschäftserwartungen des Handels im negativen Bereich.
Nach Einschätzungen der DIHK aufgrund der vor dem Iran-Krieg erhobenen Ergebnisse kann die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur mit einem Wachstum von etwa einem Prozent rechnen. Nach dem Beginn des Waffengangs im Nahen Ostens dürfte sich die Einschätzung der Unternehmen weiter eingetrübt haben
Geopolitische Risiken wachsen
Schon vor dem Krieg nahmen Energie- und Rohstoffpreise einen großen Raum im Risiko-Ranking ein. Rund 48% der Unternehmen sahen darin ein großes Geschäftsrisiko. In den energieintensiven Betrieben etwa der Chemischen Industrie nahmen 68% die Öl- und Gaspreise als einen hohen Risikofaktor wahr. Inzwischen dürften diese Befürchtungen noch erheblich ansteigen.
Bei den geopolitisch bedingten Sorgen der Wirtschaft spielt auch die fehlende Aussicht auf einen Abbau der Sanktionen gegen die Lieferungen von Energieträgern aus Russland eine Rolle, die sich zunehmend als schwere Belastung für die deutsche Wirtschaft erweisen.
Als weiterer geopolitisch bedingter Risikofaktor wird von vielen Unternehmen die zunehmend unberechenbare Zolltarif-Politik der Vereinigten Staaten von Amerika wahrgenommen. Denn damit haben die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen ein Element ihrer früheren Stabilität verloren. Die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump wird von vielen Unternehmen als eine ernste Form einer Handelsbarriere wahrgenommen.

Diese Unsicherheitsfaktoren dämpfen Investitionen in allen Wirtschaftsbereichen. Sie tragen zu einem weiteren Sinken der Investitionen von Unternehmen und Haushalten bei. Diese lagen im Jahre 2025 um 11% unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Die DIHK-Studie geht davon aus, dass mit einer Verbesserung angesichts der schwachen Investitionsabsichten nicht zu rechnen ist.
Als einen schwachen Hoffnungsschimmer sehen manche Unternehmen angesichts der geopolitischen Konflikte in der Welt die staatlichen Ausgaben für Rüstung und Militär. Davon profitieren in erster Linie Rüstungsunternehmen, aber auch Zulieferer. Dabei ist vielen Unternehmen aber auch bewusst, dass diese staatlichen Aufträge keinen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung bewirken und nicht zu einem Boom führen.
Schlechte Industrie-Stimmung: Hohe Löhne, hohes Risiko
Besonders ungünstig ist derzeit die Stimmung in der deutschen Industrie. Nach drei Jahren ohne nennenswertes Wachstum bleibt die Auftragslage in der Industrie insgesamt schwach. Zwar verbucht das verarbeitende Gewerbe in jüngster Zeit wieder wachsende Aufträge. Dennoch sehen zwei Drittel der Industriebetriebe in der schwachen Inlandsnachfrage ein Risiko. Zudem beklagen viele Unternehmen strukturelle Probleme am Standort Deutschland. So betrachten 63% der Industriebetriebe in den hohen Arbeitskosten ein Risiko. Das ist ein neuer Höchststand. 61% sorgen sich wegen der unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Darin spiegelt sich auch eine Skepsis gegenüber dem Kurs der Bundesregierung wider.

Drei von zehn Industrieunternehmen schätzen ihre Lage als schlecht ein. Nur 20% betrachten ihre Situation als gut. Mehr als ein Drittel der Industrieunternehmen will Investitionen zurückfahren. Eine positive Selbsteinschätzung haben vor allem Betriebe der Elektroindustrie. Denn diese Branche profitiert von der Digitalisierung. Günstig ist auch die Lage der Pharmaindustrie, da sie trotz amerikanischer Drohungen bisher von US-Zöllen verschont geblieben ist.
In der Industrie rechnet nur jeder zehnte Betrieb mit mehr Beschäftigung. Auch insgesamt ist keine Trendwende bei der Beschäftigung in Sicht. Dass die Beschäftigungsperspektiven der Unternehmen negativ sind, zeigt sich auch darin, dass der Fachkräftemangel derzeit als Probleme von sinkender Bedeutung gesehen wird. Noch kurz vor der Corona-Pandemie stuften 60% der Unternehmen den Fachkräftemangel als ein wesentliches Risiko ein. Jetzt hingegen betrachten ihn nur noch 40% der Unternehmen als ein wesentliches Problem.
Exporterwartungen leicht positiv, Weltmarktanteile sinken
Positiver als in der Gesamtwirtschaft sieht es nach der DIHK-Konjunkturumfrage in der Exportindustrie aus. Der Anteil der Unternehmen, die mit steigenden Ausfuhren rechnen, stieg auf 22%, während ebenfalls 22% sinkende Export erwarten. Zuversichtlich sind vor allem Betriebe der Chemischen Industrie und der Pharmazie. Der Kraftfahrzeugbau hingegen schaut skeptischer in die Zukunft. Die Pkw-Hersteller gehen von rückläufigen Exporten aus.
Als fördernde Faktoren der positiven Exporterwartungen gelten das weltweite Wachstum, aber auch die steigenden Rüstungsausgaben in Nato-Ländern, an der auch deutsche Unternehmen partizipieren. Hinzu kommt die Aussicht auf neue Handelsabkommen der EU und damit der Zugang zu großen Märkten wie Indien oder den südamerikanischen Mercosur-Ländern. Dennoch stellt die DIHK fest, dass der Export noch nicht als durchgängiger Wachstumstreiber für die Gesamtwirtschaft wirkt. Im Gegenteil, die DIHK konstatiert, dass deutsche Unternehmen zunehmend Weltmarktanteile an die internationale Konkurrenz verlieren. Auch der starke Euro erweist sich als Wettbewerbsnachteil.
Positiver Trend bei Dienstleistern
Etwas günstiger als in der Gesamtwirtschaft sieht das Bild bei den Dienstleistern aus. Zwar leiden auch die Dienstleister an der unterdurchschnittlichen Nachfrage und ihre Hauptsorgen liegen bei hohen Arbeitskosten, vor allem in den personalintensiven Bereichen. Aber drei von zehn Dienstleistern bewerten ihre Lage als gut, während nur 20% sie als schlecht einschätzen. Diese Skepsis eines Fünftels der Dienstleistungsunternehmen rührt auch daher, dass fast ein Drittel der Betriebe Investitionen kürzen will.
Dabei zeigt sich im Dienstleistungsbereich kein einheitliches Bild. Während Finanz- und Versicherungsdienstleister positiv in die Zukunft schauen, herrscht im Bereich Verkehr und Lagerei Skepsis vor. Dort akkumulieren sich Industrieschwäche, hohe Arbeitskosten, Fachkräftemangel und Probleme wegen der verschlechterten Infrastruktur.

Leicht verbessert hat sich vor allem die Lage bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Vor allem Rechts- und Steuerberater und Architektur- und Ingenieurbüros bewerten ihre Geschäftslage überwiegend positiv. Kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten hingegen haben eine sinkende Konjunktur.
Auch die Investitionsabsichten im Dienstleistungssektor sind daher gemischt. Insgesamt beabsichtigt ein Viertel der Dienstleister, ihr Kapital aufzustocken. Doch 27% wollen Investitionen kürzen. Selbst IT-Dienstleister zeigen sich trotz des Trends zur Digitalisierung bei Investitionen zurückhaltend. Hemmend wirkt dabei auch, dass immer wieder Investitionen stocken, weil Genehmigungen noch nicht vorliegen oder die Kapazitäten der Stromnetze nicht ausreichen.
Quellen: DIHK 1, 2, 3
- Hormus-Schock: Europa vor neuer Gas-Krise
- Düngemittel-Krise: Mehrkosten für die deutsche Landwirtschaft berechnet
- Lage deutscher Firmen weltweit und in Russland