Russland war im ersten Halbjahr 2026 der größte Öllieferant Chinas und unter den großen Anbietern der zweitteuerste. Chinesische Käufer zahlten im Juni rund 700 US-Dollar je Tonne für russische Ladungen, für irakische und emiratische nur 520 bis 550 US-Dollar. Gleichzeitig brachen Chinas Ölimporte um 41% ein, und die Raffinerien fuhren auf die niedrigste Auslastung seit 2020 herunter. Beim russischen Haushalt kommt von den höheren Preisen wenig an: Die Öl- und Gaseinnahmen lagen von Januar bis Juli 17% unter dem Vorjahr.
Russland verdrängt Golf-Länder
Russlands Anteil am chinesischen Öl-Seeimport stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 17%, nach 11% im Vorjahreszeitraum. Das zeigen vorläufige Schätzungen des Analysehauses Kpler, auf die sich die internationale Preisagentur Argus stützt. Saudi-Arabien folgte mit 16% nach 15%. Der Irak fiel von 12% auf 5% zurück, iranisches Öl von 10% auf 6%.
Die Seelieferungen aus Russland legten um 166.000 Barrel pro Tag zu und erreichten 1,33 Mio. Barrel pro Tag.
Der Rabatt auf russisches Öl wuchs im Juni leicht: Urals mit Lieferung in chinesische Häfen ging 0,81 US-Dollar je Barrel unter Brent weg, nach einer Prämie von 2,60 US-Dollar im Mai. Das berichtet Dmitri Prokofjew, Direktor für externe Kommunikation beim russischen Analysehaus NEFT Research.
Die 700 US-Dollar je Tonne aus der Argus-Auswertung sind der Durchschnittspreis tatsächlich eingeführter Öllieferungen, kein Sortenpreis und kein Spotrabatt. In diesen Wert fließen neben dem Preis im Verladehafen auch Fracht, Versicherung, mögliche Zölle und Zuschläge für Qualitätsmerkmale wie den Schwefelgehalt.
Dazu kommt der Zeitversatz. Russisches Öl läuft häufig über Formelverträge mit ein bis zwei Monaten Nachlauf, Nahost-Öl dagegen meist über Spotpreise. Viele russische Juni-Lieferungen wurden deshalb schon im Mai bepreist, als die Preise höher lagen.
China importiert weniger und drosselt Raffinerien
Chinas Ölimporte fielen im Juni auf ein Zehnjahrestief. Nach Daten der Hauptzollverwaltung der Volksrepublik sanken sie um 41% gegenüber dem Vorjahr auf 29,27 Mio. Tonnen, umgerechnet 7,12 Mio. Barrel pro Tag. Chinesische Raffinerien verarbeiteten im ersten Halbjahr 714.000 Barrel pro Tag weniger als 2025, im Schnitt 13,87 Mio. Barrel pro Tag. Das meldet das Nationale Statistikbüro Chinas. Im Juni sank der Durchsatz auf 12,47 Mio. Barrel pro Tag, den niedrigsten Wert seit März 2020. Die Auslastung lag laut Argus bei 64% nach 74% im Juni 2025.
Der chinesische Benzinverbrauch sank binnen eines Jahres um 2,4%, der Dieselverbrauch um 4,4%. Das liegt an der zunehmenden Zahl von Elektroautos und Hybrid-Modellen, die inzwischen 41% des Fahrzeugbestands stellen.
Die Volksrepublik besitzt außerdem die größten Ölreserven der Welt. Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde EIA hielt China Anfang 2026 rund 1,4 Mrd. Barrel, davon 26% als Staatsreserve und 74% als kommerzielle Bestände der nationalen Ölkonzerne. Die Amerikaner haben Ölreserven von ungefähr der Hälfte: 723 Mio. Barrel, davon 298 Mio. Barrel in der Strategic Petroleum Reserve (SPR).
Rubel-Aufwertung frisst den Preisgewinn
Von Januar bis Juli nahm der russische Staat 4,6 Bio. Rubel aus dem Öl- und Gasbereich ein, umgerechnet 51,6 Mrd. Euro. Das waren 17% weniger als im Vorjahr, wie das Finanzministerium mitteilte und die Moskauer Wirtschaftszeitung Kommersant berichtete.
Drei Faktoren wirken gegen die Öl-Preisrallye. Im Januar und Februar, vor dem Krieg zwischen den USA und Iran, lagen die russischen Ölpreise bei 40 bis 45 US-Dollar je Barrel. Danach fiel der Urals-Preis vom April-Hoch bei 94,9 US-Dollar wieder: auf 86,5 US-Dollar im Mai, 63,5 US-Dollar im Juni und 59 US-Dollar im Juli. Und der Rubel wertete auf. Der Haushalt kalkuliert mit 92,2 Rubel je US-Dollar, tatsächlich lag der Kurs in sieben Monaten bei 76,5 Rubel. Jeder Exportdollar bringt dem Haushalt damit weniger Rubel als geplant.
Quellen: EIA China, EIA Weekly Petroleum Status Report, Hauptzollverwaltung China, Nationales Statistikbüro China (alle EN); RBC Pro, Kommersant, Russ. Zentralbank (alle RU)
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