608.618 neue Pkw kauften die Russen im ersten Halbjahr 2026. Das sind 14,8% mehr als im Vorjahreszeitraum, meldet die russische Analyseagentur Autostat. Im Juni wuchs der Markt sogar um 29% auf 116.276 Fahrzeuge. Die Erholung folgt auf einen Einbruch: Im ersten Halbjahr 2025 waren die Verkäufe um 26% auf 530.380 Autos gefallen. Händlerrabatte und aufgestaute Nachfrage treiben das Wachstum, hohe Kreditzinsen bremsen es weiterhin.
Chinesische Marken dominieren, Japaner kehren durch die Hintertür zurück
Marktführer bleibt Lada mit 152.131 verkauften Autos. Doch der Hersteller verliert an Boden: Die Verkäufe sanken um 2,2%, der Marktanteil fiel im Juni von 27% auf 24%. Bestseller bleibt der Lada Granta mit 11.289 Verkäufen allein im Juni, das teurere Lada-Modell Vesta dagegen brach in den ersten sechs Monaten um 35% ein.
Gefragt sind Stadtgeländewagen chinesischer Herkunft. Haval, die Nummer zwei in der Rangliste der meistverkauften Autos, steigerte die Verkäufe um 31,6% auf 84.113 Autos. Das günstigste Auto der Chinesen, das nahe der Stadt Tula produzierte Kompakt-SUV Jolion, legte im Juni um 120% zu. Die Neumarke Tenet, die Modelle des chinesischen Konzerns Chery baut, verkaufte aus dem Stand 63.996 Autos und stieg damit auf Platz drei in die Rangliste der meistverkauften Autos ein. Das Modell Tenet T7 war mit 36.490 Verkäufen das zweitmeistverkaufte Auto Russlands. Belgee, das belarussische Gemeinschaftswerk mit dem chinesischen Konzern Geely, wuchs um 61,6% auf 28.811 Autos. Auch Jetour (15.933, +1,5%) und Jaecoo (13.258, +35,2%) hielten sich in den Top 10. Größter Verlierer unter den chinesischen Marken ist Changan mit einem Minus von 22,6% auf 23.178 Autos.
Auffällig stark wachsen japanische Marken, die offiziell gar nicht in Russland vertreten sind. Toyota verdoppelte die Verkäufe auf 16.632 Autos, Mazda steigerte sie um das 8,6-Fache auf 11.731 – fast wieder das Niveau von 2021. Die Autos kommen per Parallelimport ins Land: 96% der verkauften Mazdas stammen laut Autostat-Chef Sergej Zelikow aus chinesischer Montage. Zugpferd ist der CX-5, dessen 150-PS-Motor unter der 160-PS-Schwelle bleibt, ab der beim Import der erhöhte Verwertungsbeitrag fällig wird. Ein Neuwagen mit 160–190 PS kostet seit Januar 2026 rund 900.000 Rubel Verwertungsbeitrag, umgerechnet 10.100 Euro.
Fast zwei Drittel der Autos kommen aus russischer Montage
Fahrzeuge aus russischer Produktion erreichten im ersten Halbjahr 63,4% Marktanteil, 8 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor, teilte das russische Industrie- und Handelsministerium mit. 431.000 in Russland montierte Autos fanden Käufer, 29,3% mehr als im Vorjahr.
Wie die Lokalisierung funktioniert, zeigt die neue Marke Tenet: Die AGR-Gruppe fertigt die Marke seit August 2025 im früheren Volkswagen-Werk in Kaluga – mit eigener Schweißerei, Lackiererei und mehr als 4000 Beschäftigten, viele davon mit Volkswagen-Erfahrung. Die technische Basis liefert Chery, der T7 entspricht dem Tiggo 7L. Auch bei elektrifizierten Autos wächst die heimische Fertigung: Von 54.300 verkauften Hybriden und E-Autos, ein Plus von 90,7% gegenüber dem Vorjahr, stammten 27,3% aus russischer Montage – nach nur 9,4% im Vorjahreszeitraum.
Jahresprognosen und Vergleich mit Deutschland
Der deutsche Markt bleibt mehr als doppelt so groß wie der russische: Das Kraftfahrt-Bundesamt zählte im ersten Halbjahr 1.484.393 Pkw-Neuzulassungen, 5,8% mehr als im Vorjahr. Russland erreicht damit 41% des deutschen Volumens.
Der strukturelle Unterschied liegt im Antrieb. In Deutschland war im ersten Halbjahr jeder vierte Neuwagen ein reines E-Auto (368.006 Stück), während Benziner 16,8% an Marktanteilen verloren. In Russland kamen Hybride und E-Autos zusammen auf rund 9% der Pkw-Verkäufe, reine E-Autos auf etwa 1%.
Für das Gesamtjahr in Russland erwartet die Händlergruppe Rolf rund 1,3 Mio. verkaufte Pkw, der Verband der europäischen Unternehmen in Russland (AEB) prognostiziert 1,4 Mio. Die zweite Jahreshälfte trifft allerdings auf eine höhere Vergleichsbasis von Ende 2025, die Wachstumsraten dürften sinken. Der Branchenverband der russischen Autohändler (ROAD) hält für das Gesamtjahr ein Plus von 5% für wahrscheinlich.
Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt (DE) Autostat, Wedomosti, Kommersant, Iswestija, Rossijskaja Gaseta, Awtorewju (alle RU)
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