Nicht alles Gold, was glänzt: Abbau brummt, Reserven schrumpfen

Im Mai 2026 verwirklichte der leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger der Welt, der Large Hadron Collider (LHC) des Kernforschungszentrums CERN bei Genf, den Traum von Albertus Magnus, Johann Friedrich Böttger, Hennig Brandt und anderen Alchemisten. Blei wurde durch die Kollision von Atomkernen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in Gold umgewandelt. Allerdings wurden nur ein Billionstel Gramm gewonnen. Und während Physiker weiterhin Hoffnungen hegen, wird Gold nach wie vor mit traditionellen Methoden aus Erz, Seifenlagerstätten und komplexen Lagerstätten, in denen nicht nur Gold lagert, abgebaut.

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Vorräte und Abbau in Russland

Laut dem US Geological Survey beliefen sich die weltweit nachgewiesenen Goldreserven im Jahr 2025 auf insgesamt 66.000 Tonnen. Die drei größten Produzenten weltweit sind China, Russland und Australien. Russlands Goldlagerstätten in den Kategorien A+B+C1+C2 umfassen insgesamt rund 17.000 Tonnen. Bei diesen Kategorien handelt es sich um nachgewiesene und potenzielle Lagerstätten, deren Abbau wirtschaftlich rentabel ist. 90% dieser Vorkommen sind bereits vergeben: Bis Anfang 2026 wurden 7000 Lizenzen für deren Erschließung erteilt, darunter 6000 für Seifengold. Fast die Hälfte dieser Lizenzen befindet sich im Besitz von Junior-Bergbauunternehmen (kleine Erkundungsunternehmen, in der Regel Start-ups).

Laut konservativen Schätzungen der amerikanischen Regierungsbehörde US Geological Survey hat Russland im Jahr 2025 insgesamt 310 Tonnen Gold gefördert. Michail Leskow, Chefredakteur der russischen Zeitschrift „Gold und Technologie“, geht von 360 Tonnen aus, während das russische Ministerium für Naturressourcen höhere Zahlen von 480 bis 485 Tonnen nennt. Dies entspricht einem Wert von rund 42 Mrd. US-Dollar, umgerechnet etwa 3 Bio. Rubel und ist vergleichbar mit den Gewinnen russischer Banken oder dem Umsatzvolumen der IT-Branche.

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Der russische Goldabbau sei stark fragmentiert, erklärt Sergej Kaschuba, Vorsitzender des Verbandes der Goldproduzenten Russlands. 197 Unternehmen fördern weniger als 20 Kilogramm Gold pro Jahr, weitere 210 zwischen 20 und 100 Kilogramm. Rund 70% der russischen Goldreserven befinden sich in Erzlagerstätten, weitere 25% in komplexen Lagerstätten und der Rest in Seifenlagerstätten. 42 große und mittelständische Holdinggesellschaften sind im Erzabbau tätig, 536 im Seifengoldabbau.

In den 1990er Jahren stammten 70% der russischen Goldproduktion aus Seifenlagerstätten. Bis 2011 sank dieser Anteil auf 40%, bis 2021 auf 27% und bis 2025 auf 20%. Bis Ende 2026 wird aufgrund des beschleunigten Wachstums im Erzbergbau und der Umweltauflagen für den Seifengoldabbau das Verhältnis von 80:20 bestehen bleiben. Die leicht zugänglichen Seifenlagerstätten sind nahezu erschöpft, und Unternehmen konkurrieren selbst um kleine, aber noch profitable Vorkommen.

Branchenverbände schätzen, dass die Goldproduktion aus Seifenlagerstätten in Russland in diesem Jahr um 5% zurückgehen könnte. Gründe hierfür sind unter anderem ein Mangel an erschlossenen Vorkommen, sinkende Rentabilität und ein zunehmender Verwaltungsaufwand für die Unternehmen. Eine der restriktiven Maßnahmen ist die Pflicht, einen Teil der Gelder für die Landrestaurierung einzufrieren.

In den kommenden Jahren werden mehrere Großprojekte das Wachstum des Goldabbaus im Land vorantreiben: Suchoi Log im Ural, Neschdaninskoje und Kütschüs in Jakutien, Tschulbatkan und Malmyschskoje in der Region Chabarowsk, Peschtschanka in Tschukotka. Führende Unternehmen wie Polyus, Areal (ehemals Highland Gold), UMMC, Polymetal, Nordgold, Pavlik, Wysotschajschij, Seligdar, Norilsk Nickel und BTS-Zoloto (ehemals UGK) werden weiterhin Anteile an ihren kleineren Projekten veräußern und sich auf die Entwicklung der wichtigsten und größten Vermögenswerte in ihren Portfolios konzentrieren. All diese Unternehmen gehören nach wie vor Privatpersonen oder Investmentfonds.

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Im Gegensatz zu seltenen Metallen erfordert abgebautes Gold keine aufwendige Verarbeitung. Daher generiert die Branche laut dem Ministerium für natürliche Ressourcen enorme Mengen an hochliquiden Mitteln und kann Investitionen und Technologien unabhängig sichern, ohne auf ausländisches Know-how angewiesen zu sein. Das Ministerium merkt außerdem an, dass Gold in gewissem Maße Investitionen in die geologische Erkundung „abzieht“. Die große Nachfrage nach Gold führt dazu, dass die Investitionen in bereits erkundete und zum Abbau bereite Vorkommen getätigt werden, so dass keine Mittel für die geologische Erkundung neuer Rohstoffe zur Verfügung stehen. Investoren suchen schnellen Profit aus Edelmetallen und ignorieren langfristige und riskante Projekte. Da sich die Regierung jedoch strategisch auf Lagerstätten knapper Rohstoffe, darunter seltene Metalle und seltene Erden, konzentriert, werden die öffentlichen Investitionen in die Goldexploration allmählich zurückgehen. Die privaten Investitionen hingegen werden in den nächsten zwei bis drei Jahren steigen.
 
Laut Fares Kilzie, dem Leiter der CREON-Gruppe der in Moskau und Luxemburg ansässigen Consulting- und Investmentgesellschaft im Bereich Rohstoffe, liegt die größte Herausforderung nicht in der Verfügbarkeit von Goldvorkommen, sondern in der Geschwindigkeit der industriellen Produktion und Verarbeitung. Doch selbst reiche Lagerstätten bringen keine unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteile, solange Russland sein Entwicklungsmodell nicht ändere, so CREON. Erforderlich seien langfristige Investitionen, große Auftragnehmer, eine gut ausgebaute Transport- und Energieinfrastruktur, ein etablierter Dienstleistungssektor sowie eine effektive Zusammenarbeit zwischen Regierung, Banken, Auftragnehmern und den Unternehmen selbst.

Der Exodus westlicher Goldproduzenten

Im russischen Goldsektor gibt es praktisch keine ausländischen Aktiengesellschaften mehr. Kinros Gold (Kanada), dem die ertragreichen Lagerstätten Kupol und Dwojnoje in Tschukotka gehörten, wurde im Juni 2022 mit einem Abschlag von 50% für 340 Mio. US-Dollar an den russischen Konzern Highland Gold von Wladislaw Swiblow, einem russischen Manager und Hauptaktionär einer Reihe von großen Erkundungs-, Bergbau- und Industrieunternehmen, verkauft.

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Die britische Petropalovsk PLC, einer der fünf größten Goldproduzenten Russlands und an den Börsen in London und Moskau notiert, verlor aufgrund von Sanktionen gegen die Gazprombank ihre Vertriebskanäle und wurde 2022 in London für bankrott erklärt. Sämtliche Produktionsanlagen in Russland wurden von der Ural-Bergbau- und Metallurgiegesellschaft (UGMK) übernommen.

Polymetal International (aktuell Solidcore Resources), der größte ausländische Akteur, der auf der Insel Jersey und auf Zypern registriert war, verkaufte seine russischen Vermögenswerte (Polymetal JSC) im März 2024 an die russische Gruppe Mangazeya Plus. Das Unternehmen wurde daraufhin in Solidcore Resources umbenannt, in Kasachstan neu registriert und von der Moskauer Börse genommen.
 
Highland Gold (früher Highland Gold Mining, Großbritannien), früherer Besitzer von Minen im Fernen Osten, wurde durch Strukturen von Wladislaw Swiblow übernommen. Im Juni 2024 nahm die russische Regierung die MKAO Highland Gold in die Liste der „wirtschaftlich bedeutsamen Organisationen“ auf, was es ermöglichte, die ausländischen Offshore-Strukturen (Zypern, Jersey) auf dem Gerichtsweg aus der Eigentümerkette auszuschließen.
 
Nordgold (früher Nord Gold N.V., Niederlande/Großbritannien), eine internationale Holdinggesellschaft mit bedeutenden Minen in Jakutien, Burjatien, der Amur-Region, Kasachstan und Afrika, wurde im Zuge der Nationalisierung beschlagnahmt. Ausländische Holdinggesellschaften wurden aufgrund von Sanktionen liquidiert oder isoliert. Die Geschäftsführung ging an Nordgold Management (Moskau) über, eine Struktur, die faktisch vom russischen Milliardär Alexei Mordaschow (Severgroup) kontrolliert wird und als rein russisches Unternehmen agiert. Kürzlich erwarb Nordgold 20% der Anteile an einem Unternehmen mit einer Goldexplorationslizenz in Kamtschatka. Der Bau einer dortigen Minen- und Aufbereitungsanlage kostet voraussichtlich über 20 Mrd. Rubel (212,6 Mio. Euro). Eine weitere Nordgold-Struktur („Urjach“ OOO) plant, bis 2031 mit der Erschließung der Goldlagerstätte Urjach im Bodaibo-Rajon des Gebiets Irkutsk zu beginnen. Die Investitionen in dieses Projekt sollen 30 Mrd. Rubel übersteigen, knapp 320 Mio. Euro.
 
Кору Goldfields (Schweden) – eine Holdinggesellschaft, die über die PAO AG Mining Bergbauunternehmen in den Gebieten Chabarowsk, Chakassien und Irkutsk kontrollierte, konnte im Jahr 2025 nach einem dazu notwendigen Beschluss des russischen Präsidenten Wladimir Putin ihre russischen Vermögenswerte an das russische Bergbauunternehmen Aljans verkaufen.
 
Während die direkte Präsenz westlichen Kapitals auf Null reduziert wurde, operieren einige ausländische Unternehmen mithilfe komplexer Strukturen weiterhin über verbundene Unternehmen mit Sitz in Russland oder befreundeten Staaten in Russland. Partnerschaften mit Investoren aus Asien und dem Nahen Osten bestehen nach wie vor.

Raffinationsbetriebe nicht ausgelastet

In der russischen Goldraffinationsindustrie, d.h. in die Verarbeitung und Reinigung von Gold, fließt seit Sowjetzeiten keinerlei ausländisches Kapital. Gemäß dem Föderalen Gesetz „Über Edelmetalle und Edelsteine“ ist die Raffination ausschließlich Unternehmen gestattet, die in einer staatlich genehmigten Liste aufgeführt sind. Diese Liste umfasst elf Betriebe, darunter das Moskauer Speziallegierungswerk und das Priokskij-Werk für Buntmetalle.
 
Allein die ersten drei Anlagen sind für 90% der Verarbeitung verantwortlich, daher besteht ein chronischer Kapazitätsüberschuss, da die durchschnittliche Auslastung der Branche bei 30-35% liegt. Die Anlagen konkurrieren um primäre und sekundäre Rohstoffe, insbesondere goldhaltigem Elektronikschrott, von dem sie nur sehr geringe Mengen sammeln. Daher werden lediglich 20% des Abfalls weiterverarbeitet.
 
Administrative Hürden bei Rohstoffimporten, schleppende geologische Erkundung, undifferenzierte Besteuerung, intransparente Wege zur Sammlung von Sekundärrohstoffen und der Export von inländischem Schrott stellen weitere Hindernisse dar. Laut Sergej Kaschuba, Vorsitzender des russischen Verbandes der Goldproduzenten, reichen diese Mengen selbst bei einer stabilen Entwicklung des Goldabbaus und einem jährlichen Wachstum von 1-2% in den nächsten zehn Jahren nicht aus, um eine volle Auslastung der Raffinationsstätten zu gewährleisten.

Gold für schwere Zeiten

Der von Ausfuhrzöllen und Umsatzsteuer befreite kommerzielle Goldexport generiert Deviseneinnahmen für Russland, vor allem, da sich die Handelsströme in die Märkte des asiatisch-pazifischen Raums, des Persischen Golfs und Indiens verlagern. Darüber hinaus verkauft der Staat regelmäßig Goldbarren aus den Gold- und Devisenreserven des Nationalen Wohlstandsfonds und der russischen Zentralbank, um das schnell wachsende Haushaltsdefizit zu decken.


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Russland belegt mit seinen Goldreserven den fünften Platz weltweit (2304,75 Tonnen), hinter den USA (8133,5 Tonnen), Deutschland (3350,3 Tonnen), Italien (2451,9 Tonnen) und Frankreich (2437 Tonnen). Anders als Deutschland, das sein Gold nicht nur in Frankfurt am Main, sondern auch bei der US-amerikanischen Federal Reserve und der Bank of England lagert, bewahrt Russland seine Goldreserven ausschließlich auf russischem Territorium auf, unter anderem im Hochsicherheitstresor der russischen Zentralbank in Moskau sowie an anderen Standorten im ganzen Land, darunter auch in den Anlagen des Gelddruckunternehmens Gosnak. 

Bis 2022 hatte Russland jahrzehntelang aktiv Gold gekauft, um die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern und eigene monetäre Souveränität zu sichern Unabhängigkeit seiner Währung zu erhöhen. In Folgen wuchsen die Goldreserven von 340 im Jahr 2000 auf
2300 Tonnen 2021. Nachdem der Westen jedoch 2022 unmittelbar nach Beginn der militärischen Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine die Reserven der russischen Zentralbank in der Europäischen Union in Höhe von 210 Mrd. Euro und in den Vereinigten Staaten in Höhe von 1 Mrd. Dollar eingefroren und Sanktionen gegen Dollar- und Euro-Transaktionen verhängt hatte, wurden Gold und der chinesische Yuan mehr und mehr zu wichtigen Liquiditätsinstrumenten.

Anders als die russische Zentralbank, die zum Goldverkauf gezwungen ist, erwerben zahlreiche andere Zentralbanken Gold und füllen so ihre strategischen Reserven auf.
Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit laut World Gold Council 244 Tonnen Gold, 17,4% mehr als im Vorquartal und 3% mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Die Nachfrage von Privatpersonen nach Goldbarren und -münzen stieg um 42% auf 474 Tonnen, den höchsten Wert seit 13 Jahren. Wie aus einem Bericht der Europäischen Zentralbank hervorgeht, stieg der Goldanteil der Reserven der verschiedenen Zentralbanken bis Ende 2025 auf 27%, während der Anteil der US-Staatsanleihen von 25% im Jahr 2024 auf 22% sank. Für Privatanleger dient Gold der Sicherung von Ersparnissen und der Absicherung gegen Risiken. Selbst in Krisenzeiten bleibt sein Preis stabil und steigt manchmal sogar.

Immer noch das sicherste Asset?

Nach Angaben des World Gold Council sieht die Struktur des weltweiten Goldverbrauchs wie folgt aus: Schmuck (40%), physische Goldbarren (24%), Zentralbanken und andere Institutionen (21%), Währungsmünzen, Medaillen und Nachahmungsmünzen (7%), Elektrotechnik und Elektronik (7%), Sonstiges wie Medizin und Raumfahrt (1%).
 
In den vergangenen drei Jahren haben sich die Goldpreise fast verdreifacht, von 1830 auf 4500 US-Dollar pro Feinunze. Allerdings verlangsamten sich die Goldkäufe der Zentralbanken vorwiegend aus China, Polen, der Türkei und Indien im Jahr 2025 auf 825 Tonnen, im Vergleich zu 1000 Tonnen in den Jahren 2022 bis 2024, und die Goldpreise begannen 2026 entgegen den Erwartungen zu fallen. Ende Juni fiel der Preis für Gold-Futures mit Lieferung im August 2026 an der Comex-Börse unter 4030 US-Dollar pro Feinunze.


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Der Konflikt im Nahen Osten hat das klassische Modell von Gold als sicherer Hafen ins Wanken gebracht. Normalerweise steigt der Goldpreis in Zeiten geopolitischer Krisen und wirtschaftlicher Instabilität. Doch im Frühjahr 2026 zeigte sich das Gegenteil. Der Markt reagierte auf die inflationären Folgen der Blockade der Straße von Hormus, einer wichtigen globalen Transportroute für Energie und Metalle. Einige Analysten begannen daraufhin zu bezweifeln, ob Gold noch immer ein Werterhaltungsinstrument zur Absicherung gegen makroökonomische und geopolitische Risiken ist.
 
Andere Beobachter gehen davon aus, dass das physische Wachstum der Goldnachfrage einen Bärenmarkt für Gold verhindert. Sie gehen von folgendem Basis-Szenario für 2026-2027 aus: weiterhin hohe Preise bei gleichzeitig hoher Volatilität. Die hohe globale Verschuldung, die abnehmende Bedeutung von Reservewährungen und intensive Ankäufe der Zentralbanken werden den durchschnittlichen Jahrespreis bei rund 4500 US-Dollar pro Feinunze und mehr halten.
 
Die Analysten der amerikanischen Großbank JP Morgan bewerten die aktuelle Marktlage eher als vorübergehende Pause, nicht als Trendwende. Langfristig „Bullen“-Faktoren (Währungsabwertung, sinkende Kaufkraft, Finanzrisiken in den USA und geopolitische Spannungen) blieben für Investitionen in Edelmetalle relevant, so die US-Experten. Nach der endgültigen Öffnung der Straße von Hormus und der Entspannung der globalen Ölknappheit werde das Interesse von Zentralbanken und privaten Investoren an Gold wieder steigen. Laut dem Szenario der amerikanischen Bank könnten die Goldpreise bis Ende des Jahres auf 6000 US-Dollar pro Unze steigen und im ersten Quartal 2027 6200 US-Dollar erreichen (ein Anstieg um 36,6%). Dies gilt jedoch nur, wenn die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sinken, die Ölpreisinflation schwächer ausfällt und die Investitionsnachfrage großer Fonds wieder anzieht.

Goldpreisfaktoren: US-Leitzins und Dollar

Globale Investoren reduzieren ihre Goldbestände in Erwartung einer Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) angesichts der steigenden Rohstoffinflation. Eine Zinserhöhung senkt den Goldpreis, eine Zinssenkung hingegen erhöht ihn. Da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft, hängt seine Attraktivität als Anlage direkt davon ab, wie viel Anleger mit risikofreien Anlagen verdienen können.
 
Steigt der Zinssatz, erhöht sich die Rendite von Stablecoins (UST), wodurch diese für Anleger attraktiver werden. Kapitalabflüsse lassen den Goldpreis fallen: eine umgekehrte Korrelation von Gold und US-Dollar. Steigt der Leitzins der Fed, gewinnt der Dollar an Wert, was Gold für Anleger mit anderen Währungen verteuert. Dies reduziert die Nachfrage und übt Abwärtsdruck auf den Preis aus. Sinkt der Zinssatz, schwächt sich der Dollar ab, wodurch Gold für ausländische Käufer günstiger wird, was die Nachfrage und den Preis ankurbelt.
 
Der russische Markt wiederum wurde in den letzten Jahren von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Das stabile Interesse privater Investoren an Gold reißt nicht ab. Seit September 2025 ist ein stetiger Zufluss in Gold-Investitionsfonds zu verzeichnen, mit Investitionen in Höhe von insgesamt 28,1 Mrd. Rubel (295,2 Mio. Euro) in diesem Zeitraum und einem Fondsvermögen von 78,47 Mrd. Rubel (824,4 Mio. Euro). Investoren versuchen, Risiken zu minimieren, darunter die Rubel-Schwäche infolge der Leitzinssenkung der russischen Zentralbank, die Devisenkäufe des Finanzministeriums und die saisonale Devisennachfrage von Importeuren und privaten Haushalten.
 
An der Moskauer Börse belief sich der Umfang der Gold-Transaktionen im Zeitraum von Januar bis Mai 2026 auf 173,6 Tonnen, mehr als zweimal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
 

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