Moskau ist europäischer Spitzenreiter beim Einsatz von öffentlichen Elektrobussen. Das umweltfreundliche Verkehrsmittel ist energieeffizienter und auch kostengünstiger in der Wartung als herkömmliche Busse. Allerdings hält der hohe Startpreis von E-Bussen viele russische Städte vor einer Diversifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ab.
Im Zeitraum von Januar bis August 2026 wurden in Russland 429 neue Elektrobusse zugelassen, dies ist ein Anstieg von rund 80% gegenüber dem Vorjahreszeitraum (239 Zulassungen), wie die russische Branchenagentur Awtostat mitteilt. Insgesamt betrug die Zahl neuer Autobusse 5760 – ein Minus von 3,3% zum Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil elektrisch angetriebener Busse am gesamten Fuhrpark Russlands beläuft sich derzeit auf 7,4%. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 4,2%.
Die meisten neuen E-Busse (75,5%) schafft die Stadt Moskau an, mit weitem Abstand folgt St. Petersburg mit 23,3%. Moskau startete 2018 das Programm zur Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin fahren mehr als 3100 E-Busse auf 310 Routen in der Hauptstadt, dies entspricht 52% der Stadtbusflotte von Mosgortrans, dem staatlichen Verkehrsunternehmen für ÖPNV in Moskau. Bis Jahresende soll die Flotte auf 3300 Einheiten aufgestockt werden. Bis 2030 sind mehr als 5000 E-Busse geplant. Zum Vergleich: In der zweitgrößten Stadt Russlands St. Petersburg befördern derzeit 142 E-Busse die Fahrgäste von A nach B.
Moskau im internationalen Vergleich
Moskau ist mit mehr als 3100 E-Bussen die Stadt mit den meisten elektrisch angetriebenen E-Bussen Europas. Auf Rang zwei landet London mit etwa 3000 emissionsfreien Bussen – hierzu zählen neben E-Bussen auch Wasserstoffbusse. Platz drei geht an Paris mit etwa 1100 Einheiten. Im globalen Ländervergleich ist China mit 680.000 Elektrobussen einsame Spitze, wie aus einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) für 2024 hervorgeht. Auf Rang zwei liegt Indien mit über 15.000 E-Bussen. Die Top drei komplettiert Südkorea mit 12.830 Einheiten (Stand Juni 2025). In Großbritannien sind mehr als 7000 Elektrobusse unterwegs. Deutschland zählt 4752 E-Busse, wie aus dem E-Bus-Radar des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers International hervorgeht. Die meisten E-Busse gibt es in Hamburg (709) und Berlin (277). Chile kommt auf knapp 4100 Elektrobusse, die alle in der Hauptstadt Santiago unterwegs sind.
Kostenfrage bremst E-Busse ab
Der führende Nutzfahrzeughersteller Russlands Kamaz spielt eine Schlüsselrolle in der Produktion von E-Bussen. Das Traditionsunternehmen baut Elektrobusse für die russische Hauptstadt im Rahmen eines umfassenden Liefervertrags. Der Deal umfasst 1200 Einheiten mit 15-jähriger Wartungsgarantie. Ein moderner E-Bus ist der Kamaz–52222 der Generation A5 mit einer Batteriekapazität von 230 kWh. Dieses Fahrzeug legt mindestens 100 km ohne Zwischenstationen zum Aufladen zurück. Das Aufladen selbst dauert 55 Minuten. Laut der Moskauer Stadtregierung hat Kamaz 2500 E-Busse zum Fuhrpark der Hauptstadt beigesteuert, weitere 570 Einheiten stammen vom russischen Nutzfahrzeughersteller Liaz.
Ein moderner Elektrobus kostet nach Angaben des Industrie- und Forschungsmagazins Technoswera Rossija ab 70 Mio. Rubel, umgerechnet 720.700 Euro. Es geht auch günstiger: Die zentralrussische Stadt Kursk zahlt für zehn E-Busse der Vorgängergeneration Kamaz-6282 rund 48 Mio. Rubel (494.000 Euro) je Einheit. Neben Moskau gibt es mehrere E-Bus-Linien in St. Petersburg und Nischnij Nowgorod. In anderen Städten Russlands laufen derzeit Pilotprojekte oder verkehrt nur eine geringe Zahl an E-Bussen.
Die meisten russischen Städte können sich den Umstieg auf moderne, umweltfreundliche E-Busse nicht leisten. Die sibirische Millionenmetropole Omsk hat sich beispielweise dieses Jahr gegen die Einführung von E-Bussen entschieden. Beobachter führen dies auf die hohen Anschaffungskosten zurück: Der Kaufpreis für zwei zuvor getestete E-Bus-Modelle soll bei 53 Mio. und 43 Mio. Rubel gelegen haben (545.670 und 442.717 Euro). Viele Städte entscheiden sich stattdessen für teils vom Staat subventionierte herkömmliche Busse oder in Russland immer noch weitverbreitete Trolleybusse, ein ebenfalls mit Fahrstrom betriebenes Verkehrsmittel.
Batterie macht schlapp
Moskau besitzt über 460 Ladestationen und 12 Wartungsstandorte für den städtischen Elektroverkehr. Allerdings gehen mit der Nutzung von E-Bussen zahlreiche Herausforderungen einher. Laut Experten reicht oftmals die Dichte der Ladeinfrastruktur nicht aus, was zu Verspätungen auf einzelnen Stadtbusrouten oder gar Ausfällen von Elektrobussen führen kann. Auf den Ladevorgang entfallen durchschnittlich 10% an der gesamten Betriebszeit eines Elektrobusses, ohne Berücksichtigung möglicher Wartezeiten an den Ladestationen.
Die Leistungsfähigkeit von Akkumulatoren elektrisch angetriebener Busse ist ein weiteres Problem für Transportunternehmen. Nach Angaben des staatlichen Branchenblattes Transport Rossii beträgt die Lebensdauer einer Batterie für E-Busse im Schnitt fünf bis sieben Jahre. In der Winterzeit entlädt sich der Akku zudem schneller, was den Fahrbetrieb ebenso stört. Generell nimmt mit der Zeit die Batteriekapazität ab und damit auch die Leistungsfähigkeit der Elektrobusse. Unter idealen Wetterbedingungen von 20 Grad Celsius lege ein E-Bus mit einer Batterie von 300 kWh bis zu 375 km zurück, erklärt Walerij Maschkow, Geschäftsführer des Moskauer Forschungsinstituts für Automobiltransport (NIIAT). Bei Verwendung einer Dieselheizung betrage die Reichweite jedoch nur noch 214 bis 300 km, bei einer Elektroheizung sogar nur 130 km, gibt der Geschäftsführer von NIIAT zu bedenken.
Quellen: Awtostat, Mos.ru, Gazeta SPB, Transport Rossiji, Technoswera (alle RU); IEA 1, 2, Electric Drives (alle EN), PwC
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