5G in Russland: Start auf den alten Frequenzen

Vergangene Woche hat in Russland der kommerzielle Betrieb von 5G-Netzen begonnen, sieben Jahre nach dem Start des Mobilfunkstandards in Deutschland. Am 11. September 2026 meldeten die großen russischen Mobilfunkanbieter einen 5G-Betrieb in einzelnen Zonen von insgesamt mehr als 20 Städten, darunter Moskau, St. Petersburg und die meisten anderen Millionenstädte. Nach Angaben des Digitalministeriums erreichen die Netze bisher potenziell rund 10 Mio. Nutzer. Bis Jahresende soll der Dienst in 50 weiteren Städten verfügbar sein.

Bisher nur 5G light

Technisch läuft der Start auf Frequenzen, die bisher für LTE und 3G vergeben waren. Messungen des Marktforschers TelecomDaily kamen auf Übertragungsraten von bis zu 240 Mbit/s, Nutzer veröffentlichten Bildschirmfotos mit über 250 Mbit/s, Experten sprechen vom Zwei- bis Dreifachen der bisherigen Raten. Für iPhones ist das russische 5G bisher nicht überall erreichbar. Die Freigabe hänge von Apple ab, erklärte das Digitalministerium.

Im neu zugeteilten Band von 4,63 bis 4,99 GHz wären Beobachtern zufolge 1,5 Gbit/s und mehr möglich. Tatsächlich bietet der Marktführer MTS seit dem 11. September auch in diesen neuen Bereichen 5G an, hauptsächlich in Moskau und St. Petersburg. Dafür nutzt das Unternehmen eine 2019 ihm erteilte Sondergenehmigung für Pilotzonen, die auch die Verwendung ausländischer Basisstationen in diesen Frequenzen einschließt. Das Digitalministerium stellte jedoch klar, dass die Lizenz keine entgeltlichen Dienste erlaubt und bis 1. August 2027 befristet ist.

Russische Geräte Pflicht

Ende August hatte die Staatliche Kommission für Funkfrequenzen (GKRTsch) die Regeln für den 5G-Start festgelegt und den Mobilfunkbetreibern die entsprechenden Frequenzbereiche zugeteilt. Die vier großen Anbieter MTS, Megafon, Beeline und T2 erhielten jeweils 90 Megahertz des Bereichs 4,63 bis 4,99 Gigahertz. Auf eine Auktion verzichtete das Ministerium, nachdem die Anbieter die hohen Aufbaukosten beklagt hatten. Die neuen Frequenzen liegen über dem international üblichen Bereich von 3,4 bis 3,8 Gigahertz, den in Russland die Sicherheitsbehörden für sich beanspruchen. Höhere Frequenzen verringern die Reichweite der Signale und verteuern den Ausbau, da für die Abdeckung derselben Fläche bis zu doppelt so viele Basisstationen erforderlich sind.

Im Gegenzug für die kostenlose Zuteilung müssen die Betreiber bestimmte Ausbauziele einhalten. Zudem dürfen sie für 5G-Netze auf den neuen Frequenzen nur russische Ausrüstung und Software verwenden. Ausnahmen bestehen für den 5G-Betrieb auf den bisherigen LTE-Frequenzen, den die Technologieneutralität in Russland ermöglicht. Auf ihnen können auch ausländische Basisstationen zum Einsatz kommen, sofern sie vor dem Stichtag 1. September 2026 installiert wurden. Allerdings müssen diese Geräte schrittweise bis Ende 2031 ersetzt werden.

Bisher wenig kompatible Technik

Russische 5G-Basisstationen sind noch nicht am Markt verfügbar. Der Hersteller Irteja, an dem MTS zur Hälfte beteiligt ist, will Anfang 2027 die ersten „Hunderte Stück“ ausliefern. Beim Konkurrenten Yadro ist die Serienfertigung ebenfalls für 2027 vorgesehen. Dabei wären laut MTS für den Netzausbau 60.000 Stück erforderlich.

Auch gibt es in Russland bisher nur wenige Smartphones, die 5G im neuen Frequenzbereich empfangen können. Der bekannte Technologieexperte Eldar Murtasin schätzt, dass nur rund 3% der 5G-fähigen Smartphones das entsprechende Band n79 unterstützen. Ohne die iPhones, die es technisch beherrschen, für die der Zugang aber gesperrt ist, sinkt der Anteil auf unter 1%. Auf den LTE-Bändern dagegen können nach seiner Schätzung rund 40% aller in Russland genutzten Smartphones 5G empfangen.

Es sei daher unwahrscheinlich, dass 4,63-4,99 GHz zum tragenden Band für 5G in Russland wird, meint Leonid Konik vom Branchendienst ComNews Research. Für Privatkunden dürfte der Standard auf den LTE-Frequenzen verbleiben. Die Stärken von 5G, die geringe Latenz und die hohe Zahl gleichzeitig anschließbarer Geräte, seien ohnehin vor allem für Unternehmen von Interesse, etwa in Werken mit Industrierobotern oder ferngesteuerter Ausrüstung.

Gewinne erst im Firmengeschäft

Beeline beziffert die Nachfrage nach betrieblichen 5G-Netzen für 2027 auf 13-16 Mrd. Rubel (130 bis 160 Mio. Euro). Mehr als 80% der 5G-Erlöse dürften dabei aus dem Firmenkundengeschäft stammen. Insgesamt erfordert 5G bis 2036 Investitionen der Betreiber von mehr als 335 Mrd. Rubel (3,44 Mrd. Euro), befand eine Studie von MTS. Davon entfallen 286 Mrd. Rubel (2,94 Mrd. Euro) auf das Privatkundengeschäft. In diesem Segment erwartet MTS einen Verlust der Betreiber bis 2036 von insgesamt 84 Mrd. Rubel (860 Mio. Euro). Die Mehrkosten für den Ausbau ließen sich kaum an die Kunden weitergeben, weil die Kartellbehörde FAS Tariferhöhungen genau beobachte, erklärt der Branchenanalyst Alexej Bojko. Profitabel dürfte der MTS-Prognose zufolge allein das Firmengeschäft werden, mit erwarteten Gewinnen von insgesamt 63 Mrd. Rubel (650 Mio. Euro). 

Guellen: Kommersant 1, 2, 3, 4, 5, 6, Izvestia 1, 2, Vedomosti, RC Test (alle RU)


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17.09.2026

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