Ab dem 1. September 2026 verlieren papierbasierte Frachtdokumente in Russland ihre Rechtsgültigkeit, Unternehmen müssen auf elektronische Frachtdokumente (EPD) umstellen. Zu diesen Dokumenten zählen beispielsweise Frachtbriefe, Transportaufträge und -anfragen sowie Speditionsdokumente. Vollständig auf Papier verzichten muss man jedoch nicht: Das russische Verkehrsministerium hat eine Liste von Ausnahmefällen festgelegt, in denen Dokumente weiterhin in herkömmlicher Form ausgestellt werden können.
Die meisten Ausnahmen betreffen Situationen, in denen ein elektronischer Dokumentenaustausch nicht möglich ist, zum Beispiel:
- wenn die Speditionsdienstleistungen für eine ausländische juristische oder natürliche Person erbracht werden;
- wenn die Speditionsdienstleistungen einer Privatperson für persönliche, familiäre, häusliche oder sonstige nicht gewerbliche Zwecke erbracht werden;
- wenn der Spediteur oder dessen Kunde aufgrund höherer Gewalt oder fehlendem Internetzugang kein elektronisches Dokument erstellen kann;
- wenn die Speditionsdienstleistungen mit dem Transport von Gütern für Behörden, Verteidigung und Sicherheit des Landes, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder für Sonder- und Militärgüter zusammenhängen;
- wenn die Speditionsdienstleistungen in Gebieten erbracht werden, in denen ein erhöhter Bereitschaftsmodus, ein Notfall, der Ausnahmezustand, das Kriegsrecht oder der Rechtsmodus einer Antiterroroperation gilt.
Ursprünglich sollte gleich ab dem 1. September 2026 die Verwendung eines papierbasierten Frachtbriefs außerhalb der vorgesehenen Ausnahmen als Fehlen eines Frachtdokuments gewertet werden. Dies hätte zur Folge, dass der Transport gestoppt werden könnte, und bei Kontrollen Bußgelder fällig wären: für Einzelunternehmer zwischen 3000 und 10.000 Rubel (35 bis 118 Euro), für juristische Personen zwischen 100.000 und 1 Mio. Rubel (1176 bis 11.765 Euro).
Am 23. Juni schlug der Verkehrsminister Andrej Nikitin in einer Regierungssitzung mit Präsident Wladimir Putin vor, eine Übergangsphase bis zum 1. März 2027 einzuführen, um massiven Druck auf die Spediteure zu vermeiden. In dieser Übergangsphase könnten sich die Kontrolleure auf eine mündliche Verwarnung beschränken. Der Präsident unterstützte diesen Vorschlag.
Die Umstellung des Dokumentenaustauschs wird laut einer Studie der russischen Tochka-Bank bis zu 95% der Unternehmen in Russland betreffen. Die neuen Regeln betreffen nicht nur Transportunternehmen, sondern auch Versender, Empfänger, Spediteure und Unternehmen, die regelmäßig Waren annehmen oder versenden. Für Einzelhandel, Großhandel, E-Commerce, Bauwesen, Beschaffung und Logistik bedeutet dies nicht nur eine Digitalisierung von Papierdokumenten, sondern eine grundlegende Umgestaltung von Prozessen, Verträgen und der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern.
Elektronische Frachtdokumente erfordern Investitionen in Ausstattung, Schulung und Prozessanpassung. Zudem rechnen Experten in der Anfangsphase der Nutzung elektronischer Frachtbriefe mit Schwierigkeiten, etwa fehlendes mobiles Internet an Be- oder Entladestellen. / Mintrans, Vedomosti (beide RU)
Bei Fragen und Anmerkungen zu den neuen Regeln und dem Verfahren zur Übermittlung elektronischer Frachtdokumente können Sie sich an Anastasia Worobeykowa wenden, Leiterin der Filiale der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in St. Petersburg und Koordinatorin des Zoll-Komitees: worobeykowa@kammer.ru.