Wettbewerb mit China: deutsche Wirtschaft zunehmend unter Druck

Deutsche Unternehmen stehen im immer größeren Wettbewerb mit chinesischen Anbietern, die längst nicht mehr nur über den Preis konkurrieren, sondern qualitativ und technologisch enorm aufgeholt haben. Dies ergab eine im September veröffentlichte Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), zu der weltweit 150 Auslandshandelskammern (AHK) in mehr als 90 Ländern und 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) in Deutschland gehören.

Zwei Drittel der Unternehmen verzeichneten eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber. Besonders in der Industrie berichteten 83% der Betriebe von zunehmenden Wettbewerbsdruck – 50% spürten die Konkurrenz stark oder sehr stark. Im Handel zeigten sich 73% vom Wettbewerbsdruck betroffen, während andere Dienstleister, Verkehrs- und Logistikunternehmen mit jeweils rund einem Drittel deutlich weniger tangiert sind.

Selbstverschuldete Wettbewerbsprobleme

Aus den Freitextantworten der Unternehmen geht hervor, dass die Ursache der Wettbewerbsprobleme oft nicht allein in China gesehen wird, sondern auch in europäischen Standortnachteilen wie Bürokratie und Energiekosten. „Wo deutsche Unternehmen einen Qualitätsvorsprung haben, reicht dieser oft nicht aus, um den Kostennachteil auszugleichen“, heißt es in der DIHK-Umfrage. Als größte Nachteile nannten die Unternehmen ihre deutlich höheren Energie- oder Arbeitskosten im Vergleich zu chinesischen Wettbewerbern und eine Vielzahl an Regulierungen für deutsche und europäische Unternehmen.

Als weitere Ursachen betrachten deutsche Unternehmen die „China First“-Politik der chinesischen Regierung, durch die deutschen Firmen der Zugang zum chinesischen Markt erschwert werde, sowie den unterbewerteten Renminbi und chinesische Subventionen, die chinesischen Exporteuren unlautere Wettbewerbsvorteile verschafften. Deutsche Firmen kritisierten zudem, dass China eigene Unternehmen beim Zugang zu kritischen Rohstoffen bevorzuge.

Darüber hinaus sehen sich deutsche Firmen vielfach illegaler Produktnachahmung und dem Diebstahl geistigen Eigentums ausgesetzt, schreibt die DIHK. Die Rückmeldungen zeigten allerdings auch, dass viele Unternehmen auf günstige Vorprodukte aus China beziehungsweise günstige Produktionsbedingungen in chinesischen Standorten angewiesen sind, um wettbewerbsfähig bleiben zu können.

Lösung durch Innovationen

Als Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit gaben 60% der deutschen Unternehmen an, auf Produktinnovation zu setzen. 50% versuchen es mit Kostensenkung und 39% suchen verstärkt nach neuen Absatzmärkten. 31% der Unternehmen kooperieren mit chinesischen Partnern, bei Betrieben, die Waren und Vorleistungen aus China beziehen, sind es sogar 49%, zeigt die DIHK-Umfrage. 19% der deutschen Unternehmen planen aufgrund der wachsenden chinesischen Konkurrenz eine Verlagerung ihrer Investitionen, unter den bereits vor Ort engagierten Betrieben sind es mit 38% doppelt so viele. Einen Rückzug aus ihrem bisherigen Geschäftsfeld erwägen dagegen nur 12% der Betriebe.

Europas Handlungsfähigkeit gefragt

Die Mehrheit der Unternehmen wünscht sich europäische Handlungsfähigkeit im Umgang mit der wachsenden Konkurrenz aus China und eine Strategie, die Europa resilienter macht: 67% der Befragten sprechen sich für ein gemeinsames außenwirtschaftliches Auftreten der EU aus. 60% geben an, die EU sollte strategische Abhängigkeiten reduzieren, 49% wünschen sich mehr Schutz der kritischen Infrastruktur.

Restriktivere handelspolitische Instrumente erhalten demgegenüber weniger Zustimmung: Insgesamt befürworten nur 36% der Unternehmen einen stärker begrenzten Zugang zum EU-Binnenmarkt – unter den Betrieben, die Druck auf dem Binnenmarkt spüren, sprechen sich allerdings 42% für eine stärkere Abschottung aus. Dabei hängen die bevorzugten Maßnahmen von der Unternehmensausrichtung ab. Betriebe ohne China-Geschäft plädieren überdurchschnittlich häufig für den Abbau strategischer Abhängigkeiten (64%) und den Ausschluss chinesischer Unternehmen von kritischen Infrastrukturprojekten (54%). Unternehmen mit China-Export-Geschäft oder -Investitionen befürworten dagegen öfter den Abbau von Handels- und Investitionshürden (32% bzw. 38%).

Allerdings stimmten 55% der Unternehmen im Fall von Wettbewerbsverzerrungen stärkeren handelspolitischen Maßnahmen gegenüber China zu oder eher zu – auch dann, wenn sie selbst von negativen Konsequenzen betroffen wären. 37% lehnen dies eher oder vollständig ab. 

Quelle: DIHK


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23.10.2026

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