Geopolitische Spannungen zwischen Staaten mit Handelskriegen und bewaffneten Konflikten schaden mehr und mehr dem Welthandel. Globale Handelshemmnisse für die Auslandsgeschäfte deutscher Unternehmen haben einen Höchststand erreicht. Mehr als zwei Drittel der im Ausland tätigen Betriebe (69%) klagen über negative Auswirkungen weltpolitischer Spannungen auf ihr Geschäft. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage „Going International“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an der 2400 international tätige deutsche Unternehmen teilgenommen haben.

Geopolitische Kollateralschäden
„Der freie Welthandel bekommt immer tiefere Risse. Unsere Unternehmen stoßen weltweit auf mehr Zölle, mehr Auflagen, mehr Unsicherheit. Das bremst Wachstum und kostet Wettbewerbsfähigkeit“, sagt der Außenwirtschaftschef der DIHK Volker Treier. „Hinzu kommt der Krieg im Iran mit seinen Auswirkungen auf den internationalen Handel: Containerhandel und Luftfracht werden dadurch zusätzlich erheblich teurer.“
Neben den Folgen machtpolitischer Konflikte zwischen Staaten benennen zahlreiche Unternehmen den wachsenden Protektionismus als negativen Faktor für ihre Geschäfte. Die zunehmende Abkehr vom traditionellen freien Welthandel hat auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft starke negative Auswirkungen. Besonders hart betroffen sind mittelständische Unternehmen. „Dem deutschen Exportmotor fehlt das Schmieröl“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Das Auslandsgeschäft springt nicht an.“
Zwei Drittel der befragten Betriebe monieren höhere Zölle, vor allem durch die Politik der USA. Als störend aber werden auch lokale Zertifizierungsvorschriften und verstärkte Sicherheitsanforderungen gesehen. Ebenso stellen Exportkontrollen für mehr ein Drittel der Unternehmen (35%) eine Herausforderung dar. Dies gilt vor allem für Geschäfte mit den USA (41%) und mit der Volksrepublik China (29%).
Die überwältigende Mehrheit der Unternehmen (83%) beklagt zudem auch hausgemachte Handelshemmnisse in Europa als Belastung für das internationale Geschäft. Die Regulierung im EU-Binnenmarkt etwa wird von vielen Betrieben als Bremsklotz wahrgenommen. Als Belästigung gelten Berichterstattungspflichten im Bereich der Lieferketten, die Auflagen der Verpackungsrichtlinie und der EU-Kohlendioxid-Grenzausgleich.

Risikofaktor USA
Seit 2023, also bereits vor der Wiederwahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, werden Geschäftsbeziehungen in die USA von vielen deutschen Unternehmen als zunehmend unattraktiv angesehen. Dabei spielen zwei Faktoren eine Rolle: Der US-Markt hat seine Verlässlichkeit eingebüßt und bricht immer mehr als Exportmarkt weg. Eine besonders negative Rolle spielt die Zollpolitik der neuen US-Administration für deutsche Unternehmen. Knapp zwei Drittel der Unternehmen, die 2025 eine Zunahme von Handelshindernissen bei ihren internationalen Geschäften wahrnahmen, sehen erhöhte Zölle durch die USA als ein wesentliches Problem. Und 86% dieser Unternehmen nennen die speziellen Zollerhöhungen bei US-Geschäft als wesentliches Hindernis für ihre Tätigkeit. Daher ist sowohl die Einschätzung der Geschäftslage als auch der Geschäftsperspektive deutscher Unternehmen im US-Geschäft stärker eingebrochen als je zuvor im vergangenen Jahrzehnt.
„Die USA bleiben ein Schlüsselmarkt – aber sie entwickeln sich für viele Unternehmen vom Wachstumstreiber zum Risiko“, erklärt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, „hohe Zölle, politische Volatilität und rechtliche Unsicherheiten machen eine langfristige Planung zunehmend schwierig.“
Noch bis vor kurzem galten die USA auch auf Grund günstiger Steuern bei deutschen Unternehmen als ein sehr attraktives Land für Auslandsinvestitionen. Doch inzwischen ist die Stimmung bei im US-Geschäft engagierten deutschen Unternehmen eingebrochen. Sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen werden so negativ eingeschätzt wie nie zuvor in den DIHK-Umfragen „Going International“. Nur noch 20% der Unternehmen betrachten ihre Geschäftslage als gut, 43% hingegen als schlecht. Die Geschäftsperspektiven in den USA wurden von deutschen Unternehmen bereits 2025 negativ bewertet. Für dieses Jahr sind die Erwartungen noch schlechter: Nur 16% erwarten bessere Geschäfte, 43% hingegen schlechtere.
Deutsche Firmen in Russland optimistischer als in den USA
In der jüngsten, Mitte Januar veröffentlichten Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer bezeichnet ein knappes Drittel der deutschen Firmen die eigene Geschäftslage als gut (26%) oder sehr gut (3%) – 9% mehr als bei den in Amerikageschäft tätigen Firmen. Ein gutes Drittel (39%) der im Russlandgeschäft tätigen deutschen Firmen kennzeichnet die eigene Situation als befriedigend, ein weiteres Drittel als schlecht (23%) oder sehr schlecht (9%) – 9% weniger als unter den deutschen Firmen im Amerikageschäft.
Bezogen auf die Gesamtsituation der russischen Wirtschaft rechnen 51% der befragten deutschen Unternehmen 2026 mit einer negativen Wirtschaftsentwicklung, davon 24% mit einer leicht negativen Entwicklung. 29% erwarten eine Stagnation. 20% gehen von einer Verbesserung aus.
Trotz der deutlich nachlassenden Konjunktur in Russland plant die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen (58%) keine Veränderungen beim Personal. 19% der Firmen möchte mehr Personal einstellen, 23% abbauen.
Eurozone stabil
Von einer guten Geschäftssituation hingegen berichten deutsche Unternehmen mit geschäftlichen Beziehungen in europäische Nachbarländer. Dort sind die Geschäftserwartungen zuversichtlicher als noch im letzten Jahr. Dennoch bleiben sie insgesamt in einem pessimistischen Bereich. Für ihre Geschäfte in der Eurozone gehen 17% der Unternehmen von einer Verbesserung in diesem Jahr aus, 20% hingegen erwarten eine Verschlechterung. Als Probleme werden Wechselkurse gesehen und ein stärkerer Euro, ebenso wie Lasten der Bürokratie.

Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef, kritisiert dennoch die Politik der EU-Kommission: „Unsere Unternehmen stehen unter doppeltem Druck. Während weltweit neue Barrieren entstehen, verschärfen wir in Europa die Regulierung sogar noch weiter. Das schwächt unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb zusätzlich.“ Weiter erklärte Treier: „Unsere Unternehmen sind international wettbewerbsfähig – wenn man sie machen lässt. Entscheidend sind jetzt weniger Bürokratie und mehr Tempo bei Handelsabkommen. Nur mit besseren Rahmenbedingungen kann der Standort wieder an Attraktivität gewinnen.“
Auf positivem Niveau bleiben Geschäfte deutscher Unternehmen in EU-Ländern mit Partnern außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes sowie in der Schweiz und in Norwegen. Dort herrschen positive Geschäftserwartungen vor: 16% erwarten eine Verbesserung, während 14% eine Verschlechterung fürchten. Leicht verbessert hat sich die Lage bei Geschäften mit den ost- und mitteleuropäischen Staaten (ohne EU). Dort erwarten 10% bessere Geschäfte, 20% gehen von einer Verschlechterung aus.
Probleme mit Russland-Sanktionen und Ausfuhrbehörden
Als ein wachsendes Problem erleben deutsche Unternehmen im Auslandsgeschäft die an vielen Stellen verschärfte Exportkontrollen. Mehr als jedes dritte von Handelshemmnissen betroffene Unternehmen (35%) sieht darin eine zusätzliche Herausforderung. Dazu gehören auch die seit April 2025 von China im Gegenzug zu US-Zollerhöhungen eingeführten Kontrollen in der Volksrepublik China für seltene Erden und kritische Rohstoffe. Diese Maßnahmen bringen für viele Betriebe neue unerwarteten Belastungen. Hinzu kommen exterritorial wirkende Re-Exportkontrollen der USA, die auch deutsche Unternehmen betreffen.
Als weiteres Problem nennen die Unternehmen die EU-Sanktionen gegen Russland, die meist eng mit Partnern wie Großbritannien, der Schweiz und Norwegen abgestimmt sind. Dies führt auch in diesen Nicht-EU-Ländern zu verschärften Exportkontrollen. Auch die Wiedereinführung von Sanktionen gegen Iran im Herbst 2025, in der Vorphase des Krieges gegen Iran behinderten die Geschäfte mit diesem nahöstlichen Land. Die EU hat zahlreiche Sanktionen gegenüber Iran wegen angeblicher nuklearer Aktivität des Landes Ende 2025 wieder in Kraft gesetzt. Zuvor waren diese Sanktionen nach Verhandlungen im Jahre 2015 ausgesetzt worden.
Rund ein Drittel der deutschen Unternehmen, die über zunehmende Hürden im Auslandsgeschäft klagen, nennen Sanktionen als besonderes Handelshemmnis. 73% dieser Unternehmen spüren die Sanktionsfolgen vor allem im Russlandgeschäft. Die Einhaltung dieser immer mehr detailliert ausgedehnten Maßnahmen empfinden viele Unternehmen als eine besondere Herausforderung. Nachdem die EU insgesamt 20 Sanktionspakete gegen Russland verabschiedet hat, beschränken sich die Maßnahmen nicht mehr allein auf Import- und Exportverbote, sondern erstrecken sich auch auf den Verdacht der Umgehung von Sanktionen durch Lieferungen in Drittstaaten – ein naturgemäß schwer zu kontrollierendes Feld.
Nach der jüngsten, im Januar veröffentlichten Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer bezeichnen 62% der deutschen im Russlandgeschäft tätigen Unternehmen die Auswirkungen der Russland-Sanktionen als stark (32%) oder sehr stark (30%). 31% sind von den westlichen Sanktionen wenig sowie 7% überhaupt nicht betroffen.
22% der deutschen Firmen geben an, von russischen Gegenmaßnahmen stark (18%) oder sehr stark (4%) betroffen zu sein. 47% bewerten den Schaden als gering. 30% erleben keine negativen Folgen.
Zwei Drittel der befragten Unternehmen (67%) rechnen mit weiteren Sanktionen in diesem Jahr. 9% erwarten eine starke (2%) bzw. eine leichte (7%) Reduzierung der US- und EU-Sanktionen. 24% rechnen seitens der USA mit einer leichten (20%) bzw. einer starken (4%) Sanktionsreduzierung.
Mehr als die Hälfte der von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer befragten Unternehmen gibt sich überzeugt, dass die westlichen Sanktionen der russischen Wirtschaft stark (44%) bzw. sehr stark (11%) schaden. Für 45% machen die Sanktionen einen geringen (39%) bzw. einen sehr geringen Schaden (6%) aus.
Danach befragt, ob die westlichen Sanktionen Russland oder Deutschland mehr schaden, überwiegt unter den deutschen Unternehmen die Auffassung (49%), dass die Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland. 9% sehen das umgekehrt. Für 42% sind beide Länder von Sanktionsmaßnahmen gleichermaßen betroffen.
Die Verschärfung des europäischen Sanktionsregimes geht der DIHK-Studie zufolge einher mit einer wachsenden Aktivität von Ausfuhrbehörden wie des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das eng mit dem Zollkriminalamt und dem Bundesnachrichtendienst sowie mit US-amerikanischen Dienststellen kooperiert. Unternehmen beklagen lange Genehmigungsfristen des BAFA bei der Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen und komplexe Verfahren bei der Zollabwicklung. Viele Unternehmen kritisieren, dass Behörden Vorschriften häufig uneinheitlich auslegen, was einen hohen Aufwand an Dokumentation und Bürokratie erfordert. 42% der von Handelshemmnissen auf dem EU-Binnenmarkt betroffenen Firmen monieren Hürden durch Ausfuhrbehörden. Die Folgen seien bisweilen der Abbruch von Geschäften.
Hoffnung auf Indien, Probleme mit Afrika
Im asiatisch-pazifischen Raum halten sich positive und negative Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen in etwa die Waage. 18% der dort engagierten Firmen erwarten schlechtere Geschäfte, 19% rechnen mit einer Verbesserung. Zurückhaltend blicken deutsche Unternehmen derzeit auf China. Dort gehen 26% von einer Verschlechterung ihrer Geschäfte aus, nur 16% rechnen mit einer Verbesserung. Der bilaterale Handel Deutschlands mit China wird derzeit durch Handelsbarrieren, Vorgaben für lokale Produktion und eine konjunkturelle Schwäche des chinesischen Binnenmarktes belastet.

In Indien hingegen überwiegt der Umfrage nach bei deutschen Firmen der Optimismus. Für das laufende Jahr erwartet fast jedes dritte Unternehmen bessere Geschäfte, während nur 15% von einer Verschlechterung ausgehen. Positive Erwartungen für die nähere Zukunft stützen sich vor allem auf das neue Handelsabkommen zwischen der EU und Indien. Die Vereinbarung sieht die Abschaffung oder zumindest massive Senkung der Zölle auf fast 97% der bisherigen EU-Warenausfuhren vor. Indien als das bevölkerungsreichste Land der Welt ist vor allem für deutsche Automobil- und Maschinenbauer sowie für die Chemie- und Pharmaindustrie sehr attraktiv.
Pessimistischer fallen demgegenüber die Geschäftserwartungen der Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent aus. Für Nordafrika gehen 11% von verbesserten Geschäften aus, 22% von schlechteren. Für Subsahara-Afrika erwarten 10% eine Verbesserung, 27% eine Verschlechterung. Dabei spielen mangelnde Kaufkraft, aber auch Sicherheitsrisiken durch dschihadistische Umtriebe vor allem in Mali, Burkina Faso und Niger eine Rolle.
Quellen: DIHK 1, 2, Spiegel, Geschäftsklima-Umfrage 2/2025
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