Seit dem Rückzug zahlreicher ausländischer Kosmetikunternehmen aus Russland im Jahr 2022 gewinnen russische Hersteller immer mehr Marktanteile. Laut dem Nationalen Verbraucherschutzverband betrug der Marktanteil ausländischer Kosmetik- und Parfümmarken 2021 noch 80%. Vier Jahre später sieht der russische Beauty-Markt ganz anders aus: Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums belief sich der Marktanteil russischer Parfüm- und Kosmetikmarken 2025 auf 68%, der Lokalisierungsgrad lag bei 51%.
Marktführer auf dem russischen Kosmetikmarkt ist das aus der Ural-Metropole Jekaterinburg stammende Unternehmen Zolotoe Yabloko, übersetzt Goldener Apfel. Im vergangenen Jahr setzte die Kosmetikkette 205,1 Mrd. Rubel (2,2 Mrd. Euro) um, ein Anstieg von rund 32% zum Vorjahr. Zweitgrößtes Kosmetikhandelsunternehmen nach Umsatz war L'Etoile mit 83,9 Mrd. Rubel (900,3 Mio. Euro), ein Minus von 6,1% gegenüber dem Vorjahr. Platz drei geht an Rive gauche mit einem Umsatz von 40,5 Mrd. Rubel, umgerechnet 434,6 Mio. Euro (+4,8).
Nach Angaben der umsatzstärksten Kosmetikhandelskette Russlands Zolotoe Yabloko machte der Marktanteil russischer Marken im April 2026 insgesamt 50% aus. Nach Kategorien betrachtet entfielen 30% der dekorativen Kosmetik (Make-up) auf russische Marken, gefolgt von französischen (20%) und südkoreanischen (12%). Bei Parfüm sind französiche Düfte mit 50% unangefochtene Spitzenreiter. Dahinter rangieren italienische (rund 15%) und US-amerikanische Parfüms (10%). Russische Düfte haben einen Marktanteil von 3%. Bei Pflegeprodukten sind südkoreanische Artikel äußerst beliebt (30%), gefolgt von französischen (25%) und russischen (20%) Marken.
Absatz hinkt Umsatz hinterher
Die Analysten des größten privaten Finanzhauses in Russland Alfa-Bank schätzen das Marktvolumen des russischen Kosmetik- und Parfümmarktes im vergangenen Jahr auf 1,2 Bio. Rubel (12,87 Mrd. Dollar), der Marktdatenanbieter Infoline-Analitika geht von 1,3 Bio. Rubel aus (13,94 Mrd. Dollar). Damit legte der Beauty-Markt nach Wert um 7% bzw. 15% gegenüber dem Vorjahr zu, wie aus den Berechnungen der Analysten hervorgeht. Größte Wachstumstreiber waren die Inflation und der Anstieg der Verbraucherausgaben für Kosmetikprodukte bei einem gleichzeitigen Rückgang des Gesamtabsatzes nach Mengen.
Insgesamt belief sich der Absatz von Schönheitsprodukten 2025 auf 3,9 Mrd. Stück, ein Minus von 2% zum Vorjahr. Das Marktforschungsunternehmen BusinesStat stellt in den meisten Kosmetikkategorien einen Nachfragerückgang fest. Eine Ausnahme bilden Anti-Aging-Pflegeprodukte – ihr Absatz stieg von August 2024 bis Juli 2025 um rund 14%. Studien zufolge nutzen 32% der Russinnen Kosmetik gegen das Altern. Laut einer Studie der Kleinanzeigenplattform Avito geben Russen im Monat etwa 3000 Rubel (ca. 32 Euro) für Kosmetikartikel aus.
Männer immer pflegebewusster
Immer mehr Männer ändern ihre Einstellung zu Pflegeprodukten. Laut Experten greift das starke Geschlecht öfter zu Kosmetika für die Hautpflege sowie zur Behandlung von Haarausfall und betrachtet dies nicht als bloßes Mittel zum Zweck, sondern als wichtigen Bestandteil der Selbstfürsorge. Zolotoe Yabloko verzeichnete im vergangenen Jahr bei Kosmetikprodukten für Männer ein Umsatzplus von 30% und einen Mengenzuwachs von 15%. Besonders beliebt waren Feuchtigkeits- und Anti-Aging-Cremes, Mittel gegen Haarausfall und Augenpads.
Asiatische Marken auf dem Vormarsch
Russische Kosmetikhandelsketten erweitern ihr Assortiment zunehmend um Pflegeprodukte und Parfüms aus asiatischen Ländern. Zolotoe Yabloko führte im ersten Halbjahr 2026 nach eigenen Angaben 68 neue asiatische Marken ein. Der Großteil (40) davon stammt aus Südkorea, der Rest entfiel auf Marken aus Japan, China und weitere Länder. Die Handelskette bot im vergangenen Jahr insgesamt 7000 Marken an – 500 davon (rund 7%) kamen aus Asien. L'Etoile kommt im eigenen Sortiment auf 431 asiatische Körperpflegemarken: 220 aus China, 186 aus Südkorea und 25 aus Japan.
Die Nachfrage nach asiatischer Kosmetik spiegelt sich in den Importzahlen wider. Russland führte im ersten Halbjahr 2026 Kosmetika aus China und Südkorea im Wert von 323,7 Mio. US-Dollar ein, wie aus Daten der Zolldienste beider Länder hervorgeht. Dies entspricht einem Anstieg von 37% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Südkorea steuerte Kosmetikwaren im Wert von 212,6 Mio. Dollar (+24 gegenüber Vorjahreszeitraum) bei, auf chinesische Beauty-Waren entfielen 111,1 Mio. Dollar (+70). Das Vorstandsmitglied des russischen Kosmetik- und Parfümverbandes Anna Dytschewa-Smirnowa hält diese Entwicklung für einen globalen Trend. Für südkoreanische Kosmetikhersteller gehöre Russland zu den drei größten Absatzmärkten, fügt die Branchenexpertin hinzu.
Der Geschäftsführer des Verbandes der Parfüm- und Kosmetikhersteller Pjotr Bobrowskij erklärt den wachsenden Marktanteil asiatischer Kosmetikmarken mit dem starken Rubelkurs in diesem Jahr und günstigen Logistikbedingungen. Russische Importeure hätten diese Vorteile für sich genutzt und im Voraus größere Kosmetiklieferungen eingeführt, so der Geschäftsführer.
Quellen: Mrstore, Incrussia, Forbes, Finmarket, Vedomosti, RBC, Shopper’s, TASS (alle RU)
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