Der russische Smartphone-Markt hat immer schlechteren Empfang. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 12 Mio. Smartphones im Wert von 260 Mrd. Rubel (2,9 Mrd. Euro) verkauft – gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Rückgang von 7,8% nach Stückzahlen und 5,9% nach Wert. Die Angaben stammen vom russischen Elektronikeinzelhändler M.Video. Der größte russische Telekomanbieter MTS beziffert den Absatz auf 10,2 Mio. Geräte – mengenmäßig ein Minus von 10% und wertmäßig ein Minus von 7%. Laut M.Video stieg der Durchschnittspreis für ein Smartphone in den ersten sechs Monaten 2026 um 2% auf rund 21.900 Rubel, umgerechnet 252 Euro. MTS beziffert den Durchschnittspreis im ersten Halbjahr auf 25.200 Rubel (290 Euro).
Bereits 2025 verzeichneten die Händler eine Absatzeinbruch von 19-25% zum Vorjahr. Insgesamt fanden 24,2 Mio. Geräte im Wert von 588 Mrd. Rubel einen Käufer. Branchenkenner erklären die anhaltende Entwicklung mit einer längeren Lebensdauer moderner Smartphones. Diese halten länger als früher und decken die technischen Bedürfnisse ihrer Nutzer ab. Der Marktdatenanbieter Data Insight rechnet damit, dass der Handyabsatz 2026 auf 23 bis 24 Mio. Geräte sinken wird. Ein weiterer Grund liegt in den teuren Verbraucherkrediten angesichts des hohen Leitzinses von derzeit 14,25%. Potenzielle Kunden verschieben den Handyerwerb auf bessere Zeiten.
Absatzstärkste Handymarken
Die meistverkaufte Marke auf dem russischen Handymarkt ist nach wie vor Redmi des drittgrößten Smartphone-Herstellers der Welt Xiaomi aus China. Brancheninsidern zufolge entfällt im ersten Halbjahr 2026 auf Redmi 16,7% am Gesamtabsatz, 2025 lag der Anteil bei 18,6%. Platz zwei geht an Samsung mit einem Anteil von 13,6% an den Gesamtverkäufen – ein Zuwachs von 3,2 Prozentpunkten zum Vorjahreszeitraum. Beim Gesamtumsatz steigerte sich die Erfolgsmarke aus Südkorea um 2,2 Prozentpunkte auf 22,2%. Samsung liefere sich immer öfter Preisschlachten mit chinesischen Marken im mittleren Segment, erklärt das Elektronik-Vertriebsunternehmen Marvel-Distribuzija den jüngsten Erfolg der Marke.
Die Top fünf nach Stückzahlen komplettieren mit Realme, Tecno und Honor drei chinesische Handymarken. Laut Branchenexperten wird das Angebot an günstigen Smartphones schrumpfen und sich insgesamt verteuern. Ausschlaggebend dafür sind die explodierenden Preise für Speicherchips, die durch das globale KI-Wettrennen befeuert werden.
Apple auf allen Siegertreppchen
Die drei umsatzstärksten Smartphones in Russland kommen jedoch allesamt vom US-Konzern Apple. An der Spitze liegt das iPhone 17 mit 256 GB Speicher, gefolgt vom iPhone 17 Pro mit 256 GB und dem iPhone 15 mit 128 GB. Obwohl Apple den russischen Markt offiziell vor vier Jahren verlassen hat und seitdem nur über Parallelimporte nach Russland gelangt, generiert der Konzern mit seinen heiß begehrten Smartphones im Vergleich zu anderen Anbietern den größten Umsatz. Apples Marktanteil beläuft sich auf 26,7%. An diesem Kräfteverhältnis wird sich in naher Zukunft nichts ändern. Nach Umsatz entfällt auf Smartphones von Apple und Samsung mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes, während diese Marken nach Stückzahlen nur ein Drittel ausmachen. Der Vorsprung der Marke Apple speise sich aus hohen Produktpreisen und der Markentreue der Russen, allerdings sei dieses Segment zunehmend umkämpft, erklärt die russische Einzelhandelskette für Elektronik „Restore“, die bis 2022 exklusiver Händler von Apple-Produkten war.
iPhone-Grauimporte
Laut dem Markdatenanbieter Data Insight wurden 2025 in Russland 4 Mio. iPhones verkauft, davon stammen 1 Mio. aus dem Grauimport. Diese Praxis wird von steigender Nachfrage getrieben Analysten zufolge kostet ein illegal eingeführtes neues iPhone-Modell 115.000 Rubel (1323 Euro). Für ein aus dem staatlich geregelten Parallelimport kommendes iPhone muss der Verbraucher dagegen 160.000 Rubel hinlegen (1841 Euro). Der Aufpreis setzt sich aus Zoll- und Steuerabgaben zusammen. Der Preisunterschied liegt somit bei 20% – für einige Verbraucher das entscheidende Argument für ein iPhone aus dem Grauimport. Nach Einschätzung von Data Insight werden sich die iPhone-Verkäufe mehr und mehr in den Graubereich verschieben. In Zahlen bedeutet das einen Umsatzzuwachs von 30-50 Mrd. Rubel (345-575 Mio. Euro) pro Jahr.
Handy auf Pump
Ein Fünftel der in Russland verkauften Smartphones macht mit einem Durchschnittspreis von 80.000 Rubel (920 Euro) mehr als Hälfte des Umsatzes des russischen Smartphone-Marktes aus, geht aus Berechnungen von Data Insight hervor. Das Gros der Smartphones kostet im Schnitt 10.000 bis 20.000 Rubel (115 bis 230 Euro). Eine gemeinsame Studie des Smartphone-Herstellers Tecno und der Vergleichsplattform Srawni hat ermittelt, dass mehr als die Hälfte der Befragten (52%) ihr neues Handy aus Rücklagen finanziert hat. 30% erwarben das Smartphone, ohne dafür gespart zu haben.
Nicht selten nehmen Verbraucher in Russland einen Kredit auf, um das ersehnte Smartphone zu bekommen. Der Studie zufolge finanziert jeder achte Russen den Handykauf über einen Kredit. Die Laufzeit des Verbraucherdarlehens beträgt meistens ein bis zwei Jahre. Ein interessanter Befund der Studie: Anders als weithin angenommen werden durch das Darlehen meistens nicht die teuersten Modelle auf dem Markt finanziert, sondern Handys aus dem günstigen Segment. 58% der Umfrageteilnehmer, die einen Kredit aufgenommen haben, gaben an, ein Handy mit einem Kaufpreis bis 20.000 Rubel (230 Euro) erworben zu haben. 28% der Befragten griffen zu einem Kredit, um ein Smartphone aus dem mittleren Preissegment und 14% um ein teures Smartphone ab 70.000 Rubel (805 Euro) zu kaufen.
Quelle: Kommersant, Vedomosti, Oborot.ru, Retail.ru (alle RU), Handelsblatt
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