Deutsche Farbe für russische Wände

Deutsche Qualität, russische Produktion: Seit Jahren stellt Meffert in Noginsk Farben nach europäischen Standards her. Trotz Sanktionen und neuer Lieferketten wächst das Unternehmen weiter – und bringt nun auch Farbe in das neue Kammer-Büro in St. Petersburg.

Tamta Agumawa

Cremeweiß, beige – oder doch reinweiß? Die Wahl der Wandfarbe für das neue Büro der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in St. Petersburg erwies sich als kleine Herausforderung. Schließlich lässt sich über Geschmack trefflich streiten. Deutlich leichter gestaltete sich die Wahl des Herstellers. Vier Kriterien sollte der Auftragnehmer erfüllen: zuverlässig, umweltfreundlich, von unschlagbarer Qualität und Kammer-Mitglied. Schnell fiel die Entscheidung zugunsten Meffert Production, der russischen Tochter des deutschen Familienunternehmens Meffert AG Farbwerke.

Das russische Werk liegt in Noginsk, rund eineinhalb Autostunden östlich von Moskau. 2010 wurde die hochmoderne Fabrik nach dem Vorbild des Stammwerks im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach errichtet. Jährlich werden hier im Noginsk-Technopark bis zu 30.000 Tonnen hochwertige Lacke und Farben produziert. Ein eigenes R&D-Labor entwickelt neue Rezepturen und Farbvariationen und prüft die Qualität der Produkte.

In der Lagerhalle stapeln sich die Farbeimer bis unter die Decke. Besonders ins Auge fallen die orangefarbenen Behälter der Flaggschiffmarke düfa mit der Aufschrift „Superweiß“. Daneben stehen Produkte der Marken ProfiLux und Tex-color. Die dunkleren Farbeimer gehören zum Premiumsortiment. Insgesamt stellt Meffert Production mehr als 1.000 verschiedene Produkte her und bietet Farben und Lacke in unterschiedlichsten Preiskategorien an.

Arbeiter können sich hier ohne Schutzanzug bewegen: 80 Prozent aller Farben von Meffert Production sind wasserbasiert und deshalb schadstoffarm und nahezu geruchlos. „Unsere Produkte tragen das Zertifikat ‚Blatt des Lebens‘, erklärt Geschäftsführer Alexander Koroljow, „das einzige Ökosiegel in Russland.“ Koroljow leitet die Firma seit 2021, schon von 1998 bis 2005 hatte er an der Spitze der damaligen Repräsentanz der Meffert AG Farbwerke in Russland gestanden.

Das Lebensblatt-Siegel des russischen Systems für Umweltkennzeichnung ist nicht verpflichtend, doch für ein Unternehmen, das höchste Qualität anbieten will, ist es unerlässlich. Die skrupulösen Kontrollen, die einmal im Jahr die Produktion im Werk für mehrere Stunden lahmlegen, sind ein Zeitaufwand und Preis, den Meffert Production gern bezahlt. Darüber hinaus setzt sich Koroljow als Vorstandsmitglied des Verbands der Farben- und Lackhersteller „Sojuskraska“ seit vielen Jahren für strengere Grenzwerte für flüchtige organische Verbindungen in Farben und Lacken ein, da diese gesundheitsschädlich sein können. In Russland gibt es hierfür bislang keine einheitlichen Vorschriften. Deshalb orientiert sich Meffert an den deutschen Standards.

Von Bad Kreuznach nach Noginsk

Neben dem Werk in Noginsk verfügt Meffert über weitere Produktionsstandorte in der Ukraine, Litauen, Ungarn und Italien. Mit einem Jahresumsatz von mehr als 375 Millionen Euro zählt das Unternehmen zu den größten Familienunternehmen der deutschen Farben- und Lackindustrie und zu den führenden Farben- und Lackherstellern Europas.

Angefangen hat alles jedoch wesentlich bescheidener: 1947 eröffnete Firmengründer Otto Meffert ein kleines Farbengeschäft in Bad Kreuznach. Acht Jahre später nahm das Unternehmen die eigene Produktion auf. Heute befindet sich das Unternehmen vollständig im Besitz der Familie Meffert und wird von den Enkeln des Gründers, Klaus und Dieter, geführt.

Nach Russland kam Meffert dann Anfang der Neunzigerjahre – zunächst über Handelsbeziehungen und den Export von Meffert-Farben ins östliche Riesenreich. 2005 folgte die erste eigene Produktion in Reutow bei Moskau, 2010 der Umzug ins deutlich größere Werk in Noginsk. 2019 wurden die Produktionslinien modernisiert, Verpackung und Teile der Anlage automatisiert.

In Russland beschäftigt Meffert Production mehr als 330 Mitarbeiter. „Unsere Angestellten sind unser größter Wert“, sagt Generaldirektor Koroljow. Die Mitarbeiter wissen das zu schätzen – viele von ihnen sind bereits seit mehreren Jahrzehnten an Bord. Angesichts ihrer Verantwortung gegenüber Kunden und Angestellten hielt Meffert auch nach 2022 am russischen Markt fest. Das Unternehmen musste seine Lieferketten binnen kurzer Zeit neu aufbauen.

Die Umstellung, so schwer und kostspielig sie auch war, hat sich ausgezahlt. Die Farben und Lacke von Meffert Production sind in den Regalen aller großen russischen Baumarkt-Handelsketten zu finden, etwa bei Lemana Pro, dem früheren Leroy Merlin, und bei Petrowitsch. Das Unternehmen zählt heute zu den fünf größten Farben- und Lackherstellern Russlands.

Alte wie neue Kunden in Russland will Meffert weiterhin mit deutscher Qualität überzeugen. „Trotz aller Umbrüche der letzten Jahre bieten wir nach wie vor ein europäisches Qualitätsniveau zu erschwinglichen Preisen an“, so Koroljow. Zumindest die Zahlen scheinen ihm recht zu geben: Während der russische Farben- und Lackmarkt seit drei Jahren schrumpft, wächst der Umsatz von Meffert Production stärker als der Gesamtmarkt. Der Kunde ist überzeugt. Das gilt auch für die Kammer.

 

15.09.2026

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