Vom 8. bis 11. Oktober wurde die Infrastruktur von Yandex-Rechenzentren in Sasowo (Gebiet Rjasan), Kaluga und Wladimir durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt. Nutzer meldeten daraufhin Störungen, darunter bei Diensten wie Yandex Go, Yandex Pay, Yandex Food, Yandex Music und Yandex Telemost. Nach dem zweiten Angriff vereinbarte Yandex mit den Cloud-Anbietern Selectel, K2Cloud und VK Cloud, Daten und Dienste betroffener Kunden auf deren Infrastruktur zu verlagern. Das Wirtschaftsmagazin RBC hat einen Leitfaden veröffentlicht, wie Firmen ihre Daten besser schützen können. Wir haben die wichtigsten Empfehlungen für Sie zusammengefasst.
1. Kritische IT-Systeme identifizieren
Zunächst sollten Unternehmen eine Bestandsaufnahme ihrer digitalen Ressourcen durchführen. Es gilt festzustellen, wo Unternehmensdaten und Anwendungen gespeichert sind und von welchen externen Dienstleistern sie abhängen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Systeme, deren Ausfall zu Umsatzeinbußen, zusätzlichen Kosten oder Unterbrechungen wichtiger Geschäftsprozesse führen könnte. Geschäftskritische Systeme sollten auf zwei geografisch getrennte Rechenzentren verteilt werden, möglichst bei unterschiedlichen Anbietern. Zudem sollte ein schneller Wechsel von einem Standort zum anderen möglich sein.
2. Regelmäßige Datensicherungen
Regelmäßige Backups sind für den Schutz von Unternehmensdaten unverzichtbar. Wie viele Experten empfehlen wir die sogenannte 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, wobei mindestens eine Kopie an einem geografisch entfernten Standort aufbewahrt werden sollte. Darüber hinaus empfiehlt es sich, unveränderbare oder offline gespeicherte Sicherungskopien anzulegen, die vor versehentlichem Löschen und unbefugten Änderungen geschützt sind. Ebenso wichtig ist es, regelmäßig zu überprüfen, ob sich die gesicherten Daten tatsächlich wiederherstellen lassen.
3. Alternative IT-Infrastruktur
Während Backups vor Datenverlust schützen, hilft eine zusätzliche IT-Infrastruktur dabei, Ausfallzeiten zu verkürzen. Dafür stehen verschiedene Modelle zur Verfügung. Aktive Reserve: Beide Standorte sind gleichzeitig in Betrieb. Fällt einer aus, kann der andere innerhalb von Sekunden oder Minuten übernehmen. Kalte Reserve: Die Ersatzinfrastruktur wird erst nach einem Ausfall hochgefahren. Dies kann mehrere Stunden dauern. Zwischenlösung: Ein Ersatzstandort läuft bereits mit reduzierter Kapazität und ermöglicht eine schnellere Wiederaufnahme des Betriebs.
4. Einen Notfallplan erstellen
Unternehmen sollten im Voraus festlegen, wie sie bei einem größeren IT-Ausfall vorgehen. Testläufe zeigen, wie lange die Wiederherstellung dauert, welche Daten möglicherweise fehlen und welche Sicherungskopien häufiger aktualisiert werden müssen. Neben einem technischen Wiederherstellungsplan sollte auch geregelt sein, wie die Mitarbeiter weiterarbeiten können, solange wichtige Systeme nicht verfügbar sind. Dabei sind auch Abhängigkeiten von externen Diensten zu berücksichtigen, etwa von Zahlungsdienstleistern, SMS-Diensten zur Anmeldung und Authentifizierung sowie Diensten zur Überprüfung digitaler Zertifikate.
5. Zuverlässigkeit der Anbieter überprüfen
Unternehmen sollten ihre Verträge mit Rechenzentrumsbetreibern und Cloud-Anbietern sorgfältig prüfen. Besonders wichtig sind die zugesicherte Verfügbarkeit der Dienste sowie die vereinbarten Maßnahmen bei technischen Störungen oder Notfällen. Außerdem empfiehlt es sich zu klären, wie die Notstromversorgung organisiert ist, ob die Kühlsysteme ausreichend geschützt sind, ob unabhängige Stromanschlüsse vorhanden sind und wie lange das Rechenzentrum ohne externe Stromversorgung weiterarbeiten kann.
Ilja Popow, Vorsitzender des Kammer-Komitees Digitalisierung, erklärt: „Die jüngsten Angriffe haben gezeigt, dass die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen nicht ausreichen. Selbst wenn ein Unternehmen seine Daten in mehreren Rechenzentren in unterschiedlichen Regionen speichert, ist deren Sicherheit nicht garantiert – insbesondere dann, wenn alle Standorte demselben Anbieter gehören.“ Laut Popow ist es wichtig, auf mehrere voneinander unabhängige Dienstleister zu setzen. „Unternehmen müssen im Voraus wissen, wie sie ihren Betrieb nach einer schwerwiegenden Störung schnell wiederherstellen können. Dafür sind regelmäßige Notfallübungen erforderlich, an denen nicht nur IT-Fachkräfte teilnehmen, sondern auch die Geschäftsführung und die Mitarbeiter, die für die wichtigsten Prozesse zuständig sind.“ Darüber hinaus rät Ilja Popow, eine Versicherung gegen Risiken wie Terroranschläge und Sabotageakte in Erwägung zu ziehen.
Bei Fragen und Kommentaren wenden Sie sich gerne an Irina Dzhura, Koordinatorin des Komitees Digitalisierung (dzhura@kammer.ru).