Die Vorbuchungen für Hotels und Apartments in Russland liegen für die Winterferien 2026 insgesamt rund 5% über dem Vorjahresniveau. Auffällig ist zudem eine Verschiebung innerhalb der Nachfrage. Der Branchenverband ATOR meldet einen deutlichen Rückgang bei organisierten Winter-Pauschalreisen, während individuell geplante Reisen an Bedeutung gewinnen.
Begleitet wird diese Entwicklung von spürbaren Preissteigerungen: Laut den Wirtschaftszeitungen RBC und Kommersant liegen die durchschnittlichen Kosten für Winter- und Neujahrsreisen im Inland 15–20% höher als ein Jahr zuvor. Besonders stabil entwickeln sich Reisen rund um die verlängerten Neujahrsferien, die im aktuellen Jahr zwölf zusammenhängende freie Tage umfassten, einen mehr als in der Vorsaison.
Russen planen den Winterurlaub immer früher. Die Zahl der Frühbuchungen für Winterreisen verdoppelte sich, viele Angebote wurden bereits ab August nachgefragt. Kur-, Wellness- und Gesundheitsreisen wuchsen laut Branchenangaben um 10–15% und entwickelten sich zu einem stabilisierenden Segment. Der Wintertourismus ist insbesondere im Süden Russlands, im Nordkaukasus und in ausgewählten sibirischen Regionen wichtig für die regionale Wirtschaft.
Dominanz des Großraums Sotschi
Der Großraum Sotschi behauptet auch in der Wintersaison 2025/26 seine führende Stellung im russischen Inlandstourismus. Nach Auswertungen von Reiseveranstaltern und Online-Plattformen entfielen rund 25% aller inländischen Winterbuchungen auf Sotschi und die umliegenden Skigebiete Krasnaja Poljana und Rosa Chutor.
Die Kombination aus alpinem Skisport, vergleichsweise milder Schwarzmeer-Klimazone und gut ausgebauter Infrastruktur macht die Region für ein breites Publikum attraktiv. Für die Saison 2025/26 rechnen Betreiber mit einem Besucherplus von rund 10% gegenüber dem Vorjahr, auch wenn sich der Saisonstart im Dezember aufgrund von Schneemangel um etwa zehn Tage verzögerte. Ein Teil der Nachfrage verlagerte sich dadurch auf Januar und es kam zu langen Schlangen vor den Skiliften der für die Olympiade 2014 gebauten Resorts. Preislich liegt Sotschi weiterhin über dem Landesdurchschnitt: Übernachtungspreise in den Skigebieten stiegen im Jahresvergleich um bis zu 25%.
Zwischen Heilbad und Hauptstadt
Hinter Sotschi folgt mit deutlichem Abstand die Kur- und Bergregion Kaukasische Mineralwässer (Kavminvody). Sie vereint in der aktuellen Wintersaison rund 15% der inländischen Reisen. Städte wie Pjatigorsk, Kislowodsk oder Jessentuki profitierten insbesondere vom anhaltenden Boom im Gesundheits- und Wellnesstourismus. Sanatorien meldeten Auslastungszuwächse von 10-15%.
Einen stabilen, wenn auch kleineren Marktanteil halten die Metropolen Moskau und St. Petersburg mit jeweils etwa 5–10% der Winterreisen. Hier stehen Kultur- und Eventtourismus sowie der Neujahrs- und Weihnachtstourismus im Vordergrund. Die Nachfrage konzentriert sich stark auf die Feiertage, während die Auslastung im Januar und Februar deutlich zurückgeht.
Sonne statt Schnee: Auslandsziele russischer Touristen
Trotz der starken Ausrichtung auf den Inlandstourismus bleibt der Winter die wichtigste Saison für Auslandsreisen russischer Urlauber. Laut Branchendaten des Tourismusverbandes ATOR entfallen rund 24% der Auslandsbuchungen auf Thailand, gefolgt von Ägypten mit 23% und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 19%. Weitere wichtige Ziele sind Vietnam (8%) und die Türkei (7%).
Unter einigen Russen, hauptsächlich Arbeitnehmern, die aus der Ferne arbeiten können, etabliert sich das sogenannte „Überwintern“. Rund 65% der Langzeit-Winterurlauber verbringen mehrere Wochen oder Monate in asiatischen Ländern, insbesondere in Thailand, Vietnam oder der indischen Region Goa. Fernziele markieren neue Rekorde: Nach Angaben des maledivischen Tourismusministeriums kamen im vergangenen Jahr 278.760 Gäste aus Russland auf die Malediven, ein Plus von 24%. Für 2026 wird ein weiteres Wachstum erwartet.
Klassische Skiurlaube in Westeuropa sind für Russen aktuell nur ein kleines Premiumsegment, und die Zielwahl folgt weniger der Qualität des Pulverschnees als der Visa-Realität. Nach Einschätzungen der Assoziation der russischen Reiseveranstalter ATOR steigen die Buchungen für Alpenreisen zwar um 10–15% gegenüber der Vorsaison, „massentauglich“ ist das aber nicht: Entscheidend sind Visa-Termine, Bearbeitungszeiten und Umsteigeverbindungen. In den Alpen gelten Italien und Frankreich als die praktischsten Optionen, weil sich dort noch vergleichsweise verlässlich Schengen-Visa organisieren lassen. Österreich gilt hingegen als besonders schwierig, da touristische Visa fast nicht vergeben werden.
Deutscher Wintertourismus: Mallorca statt Schwarzwald
Der Deutsche Reiseverband DRV rechnet für Winter 2025/26 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Umsatzanstieg von 9% und 6% mehr Reisenden. Der Reiseanbieter Dertour meldet in der laufenden Wintersaison typische Winterziele für Deutsche: Spanien, Ägypten, Österreich und Deutschland liegen weit vorn. Außerdem werden Kreuzfahrtreisen immer beliebter.
Quelle: RBC, Kommersant, MITT. MP, Vedomosti (alle RU) DRV (DE)
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