Alles sauber in der Reinigungsbranche?

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens BusinesStat belief sich das Marktvolumen der russischen Reinigungsbranche im Jahr 2025 auf 711 Mrd. Rubel, umgerechnet 7,2 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg von 11%. Der russische Verband der Reinigungsfirmen und Facility-Betreiber ACFO beziffert den Umsatzzuwachs seiner Mitgliedsunternehmen im vergangenen Jahr auf rund 16%. Facility-Betreiber sind Rundumdienstleister, die sich um die Wartung, Reinigung und Sicherheit von Gebäuden kümmern. Nach Angaben des russischen Marktforschungsunternehmens NeoAnalytics ist der Markt lediglich zu rund 50% gesättigt und hat somit noch viel Wachstumspotenzial.

Dennoch operieren Firmen der Reinigungsbranche in einem schwierigen Marktumfeld. Laut dem Verband ACFO wirft das Geschäft nicht mehr als 2% Rendite ab. Die Gründe: steigende Ausgaben für Reinigungsmittel, Steuern und Mitarbeiterlöhne. So haben sich Reinigungschemikalien in den vergangenen zwei Jahren um 20-40% verteuert, wie Branchenvertreter berichten.

Experten zufolge setzt sich der Markt heute aus drei Segmenten zusammen. Private Reinigungsfirmen mit kleinen Putzteams bedienen den B2C-Bereich. Kleine und mittelständische Firmen halten meist Wohnungen, Büros und Gewerbeimmobilien in Schuss. Größere Marktvertreter mit langfristigen Aufträgen kümmern sich um Großunternehmen und den öffentlichen Bereich.

Den Löwenanteil (80%) des Branchenumsatzes generiert das B2B-Segmet: Dazu zählen Business-Zentren, Einkaufszentren, der Einzelhandel, Lagerhäuser und die Hausverwaltung. Den größten Nachfrageanstieg stellen die Analysten aber im B2C-Bereich fest, auf das ein Fünftel der restlichen Brancheneinnahmen entfällt. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage seitens der Privatkunden laut der Kleinanzeigenplattform Avito um 21%. Marktbeobachter erklären den Anstieg damit, dass immer mehr Menschen in russischen Großstädten den lästigen Wohnungsputz professionellen Reinigungskräften überlassen.

Der Putzteufel steckt im Detail

Der Anteil transparenter, offen und ehrlich operierender Unternehmen am Gesamtumsatz der Reinigungsbranche machte im vergangenen Jahr 30–40% aus, erklärt Juri Rjabitschew, Vizepräsident des russischen Verbands der Branchenexperten NP Opora. Mengenmäßig seien Reinigungsfirmen im Graubereich mit 80% deutlich in der Überzahl, so Juri Rjabitschew weiter. Dabei handle es sich meist um Kleinst- und kleine Unternehmen.

Die russischen Behörden ergreifen seit Jahren Maßnahmen zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft in der Reinigungsbranche. Dies habe dem Staatshaushalt in den vergangenen neun Jahren 100 Mrd. Rubel beschert, erklärt Rjabitschew, umgerechnet 1,01 Mrd. Rubel, Doch der Staat sieht weiter großen Handlungsbedarf. Dabei geben Experten zu bedenken, dass die bisherigen Steuermaßnahmen transparente und faire Marktteilnehmer zunehmend finanziell belasten. Dem Reinigungsverband ACFO zufolge ist die Steuerlast der eigenen Mitgliedsunternehmen von 3-4% auf 18% bis 40% des Umsatzes gestiegen.

Transparente Unternehmen müssten die Preise für ihre Dienstleistungen anheben, um das Geschäft am Laufen zu halten, während kleine und mittelständische Putzfirmen dank Steuertricks und Steuerhinterziehung mit besseren Preisen locken, moniert Tatjana Kofanowa, Leiterin für Steuern und Recht beim Consulting- und Finanzprüfungsunternehmen Delowiji Reschenija i Technologii. „Der Wettbewerbsvorteil liegt somit bei Firmen im Graubereich, da es für die meisten keine Anreize gibt, die Steuern ehrlich zu zahlen“, resümiert die Rechtsexpertin.

Genau an dieser Stelle könnte der Staat ansetzen. Zuletzt erwog das russische Finanzministerium auf Vorschlag der führenden russischen Wirtschaftsverbände RSSP, TPP und Opora Rossii zusätzliche Steuermaßnahmen für Reinigungsfirmen. Konkret geht es um ein Fiskalregime, bei dem die gesamte Steuerbelastung in etwa den Kosten entspricht, die Putzfirmen durch „graue Praktiken“ zur Steuerumgehung aufbringen. Der Vorschlag der Wirtschaftsverbände sieht vor, dass die Unternehmen von der herkömmlichen Mehrwertsteuer (22%) und den Versicherungsabgaben befreit werden und nur eine Umsatzsteuer in Höhe von 8% sowie die Lohnsteuer entrichten müssen. Die Autoren der Initiative rechnen vor, dass Reinigungsfirmen im Graubereich derzeit 12-15% ihrer Einkünfte für Steuertricks aufwenden. Das vorgeschlagene fiskalische Regime würde diese Ausgaben an die Steuern angleichen und solche Verstöße überflüssig machen.

Marktreinigung: Behörden räumen auf

Laut offiziellem Unternehmensregister waren im November 2024 etwa 38.600 Unternehmen in der Reinigungsbranche tätig. Allerdings ging im Zeitraum von Januar und Oktober desselben Jahres die Zahl der Putzfirmen um 5000 zurück. Parallel verringerte sich die Zahl der Neuanmeldungen um 14% auf 6000, den niedrigsten Wert seit vier Jahren, wie der Verband der Reinigungsfirmen und Facility-Betreiber ACFO ausweist. Die Analysten führen dies auf einen Rückgang der Arbeitsmigranten im Zusammenhang mit der Verschärfung der russischen Migrationspolitik im Jahr 2024 zurück. So sankt die Zahl der Ausländer in Russland nach offiziellen Angaben von 6,8 Mio. im April 2025 auf 6,1 Mio. im April 2026. Dies hat die Branche, die stark auf Arbeitskräfte aus den GUS-Ländern Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien angewiesen ist, spürbar getroffen. Nach ACFO-Angaben machten seit 2024 vor allem viele kleine Putzfirmen mit 5-15 Kunden dicht. Branchenexperten beziffern den derzeitigen Personalmangel auf 20%.

Gestiegen sind auch die Löhne der Reinigungskräfte. Nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat wuchsen die Lohnkosten der Putzfirmen zwischen 2022 und dem ersten Quartal 2025 um 64%. Laut der russischen Arbeitnehmerplattform Dream Job, auf der Mitarbeiter ihre Arbeitgeber bewerten, verdient eine Reinigungskraft heute in Russland zwischen 40.000 und 90.000 Rubel (405 und 910 Euro). 

Quellen: ACFO, Vedomosti, RBC 1, 2, Dream Job


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21.08.2026

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