Die Entwicklungen der vergangenen zehn Tage haben für wachsende Unruhe beim internationalen Zahlungsverkehr im Russlandgeschäft gesorgt. Seit dem Ausschluss vieler russischer Banken aus dem internationalen Zahlungsnetzwerk SWIFT ist die Wirtschaft auf wenige ausländische Banken wie die österreichische Raiffeisen, die italienische Unicredit und die ungarische OTP angewiesen. Ein Rückzug dieser Institute würde die ohnehin komplizierte Lage verschärfen.
Für wachsende Unsicherheit sorgte unter anderem die russische Wirtschaftszeitung Kommersant, die in einem groß aufgemachten Artikel vor einer Woche die bevorstehende Liquidierung der Russlandtochter der Unicredit verkündete. Das italienische Geldhaus dementierte umgehend und betonte, dass seine Russland-Strategie unverändert bleibt. „Unsere Aktivitäten in Russland umfassen ein kleines, fokussiertes Geschäftsfeld, in dem wir internationale Unternehmen bei der Abwicklung von Zahlungen – insbesondere in Euro und US-Dollar – unterstützen und Verbindungen zur westlichen Welt aufrechterhalten“, hieß es in einer Stellungnahme der Bank, die der Kammer vorliegt.
Auch die Wahl des neuen ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar am vorvergangenen Wochenende wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ auf den internationalen Zahlungsverkehr im Russlandgeschäft auswirken. Von den 100 Mio. Euro, die Russland meist in Form von Energie und Rohstoffen im Jahr 2025 in die Europäische Union exportierte, wurde ein Teil über die ungarische OTP abgewickelt, schreibt der renommierte Russlandanalytiker Ben Aris, Gründer des Wirtschaftsnachrichtendienstes bne IntelliNews. „Ungarn ist nicht in der Eurozone. Seine Regulierungsbehörde ist deshalb nicht die Europäische Zentralbank, sondern die ungarische Zentralbank, die unter Viktor Orbán die Augen vor Banksanktionen gegen Russland verschloss“, schreibt Aris, „aber nun ist es unwahrscheinlich, dass die neue Regierung unter Péter Magyar ihre Hand über die Aktivitäten der OTP in Russland halten wird.“
Um ihre Mitglieder bei sanktionskonformen Geschäften zu unterstützen, hat die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer früh einen zweigleisigen Weg beschritten: Einerseits schlug sie in einem Positionspapier der deutschen Bundesregierung vor, einen Kanal für sanktionsfreie Russlandgeschäfte zu schaffen. Andererseits bietet die Kammer ihren Firmen seit einem Jahr sichere und sanktionskonforme Geldtransfers an, bei denen anders als bei vielen Agentenschemata keiner der Beteiligten sanktioniert ist und deshalb kein Strafrisiko für das Mutterhaus und Manager mit deutscher oder europäischer Staatsbürgerschaft besteht. Bereits zwei Dutzend Unternehmen haben von unserem Finanzservice Gebrauch gemacht.
Mehr dazu erfahren Sie in unserer Präsentation auf Deutsch und Russisch.