Industrieroboter: Russlands Aufholbedarf wird größer

Die Zahl von Industrierobotern in Russland wuchs im vergangenen Jahr nach Angaben des Industrie- und Handelsministeriums um rund 11% auf 21.857 Einheiten. Um aber die ambitionierten Regierungsziele zu erreichen, müssten bis 2030 weitere 80.000 Industrieroboter installiert werden. Russland werde bei diesem Tempo sein Ziel verfehlen, stellt Roman Rufow von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TeDo fest. Seinen Berechnungen zufolge wurden im vergangenen Jahr lediglich 2100 Industrieroboter in russischen Unternehmen installiert. Nötig seien jedoch durchschnittlich 16.000 Einheiten pro Jahr.

Die Roboterdichte in Russland blieb für 2025 unverändert bei 29 Robotern pro 10.000 Beschäftigte. Damit Russland zur Top 25 der Nationen mit der höchsten Roboterdichte aufschließen kann, sieht eine Präsidialverordnung bis Ende des Jahrzehnts eine Roboterdichte von 145 pro 10.000 Beschäftigte vor. Das erfordert einen Roboterbestand von mehr als 100.000 Einheiten. Experten geben zu bedenken, dass die Robotisierung in der Welt immer schneller voranschreitet und Russlands Zielvorgaben bis 2030 überholt sein werden.

Beim Spitzenreiter Südkorea betrug die Roboterdichte zuletzt bereits 1220 pro 10.000 Beschäftige, gefolgt von Singapur (818), Deutschland (449), Japan (446) und China (392). Platz fünf bis zehn gehen an Schweden (377), Dänemark (329), Slowenien (315), die Vereinigten Staaten (307) und Taiwan (302).

Russisches Marktvolumen bescheiden

Der russische Robotikmarkt belief sich 2025 auf 7,86 Mrd. Rubel, umgerechnet 78,1 Mio. Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 14% zum Vorjahr. Nach Prognosen des Entwicklungszentrums für industrielle Robotertechnik der russischen Universität Innopolis in der Hauptstadt Tatarstans Kasan wird das Markvolumen bis 2030 jährlich um 14% auf 15,14 Mrd. Rubel ansteigen (150,5 Mio. Euro). Ein positives Szenario der Forscher sieht eine jährliche Wachstumsrate von 38% auf insgesamt 48 Mrd. Rubel (477,1 Mio. Euro) vor. Das US-Unternehmen Robotics Center of Silicon Valley geht davon aus, dass der globale Robotikmarkt in diesem Jahr die 38-Milliarden-Dollar-Marke erreichen und damit um 34% zum Vorjahr zulegen wird. Allein Chinas Markanteil beläuft sich auf 14,2 Mrd. US-Dollar. Deutschland steuert 2,8 Mrd. US-Dollar bei.

Konkurrenz sprintet davon

Bei der Roboter-Weltmeisterschaft in Peking 2026 brach ein humanoider Roboter in einem 100-Meter-Sprint den Weltrekord der Sportlegende Usain Bolt. Es war ein Sinnbild für Chinas Ehrgeiz, bei der Robotisierung die Vormachtstellung zu erobern. Das Land treibt die Robotisierung seiner Industrie im Rekordtempo voran und setzt quarteilweise mehr neue Roboter ein als die meisten Länder in einem ganzen Jahr. Nach Schätzungen des US-Unternehmens Robotics Center of Silicon Valley war die Volksrepublik 2025 für mehr als 70% der weltweiten Roboterinstallationen verantwortlich. Laut vorläufigen Berechnungen der International Federation of Robotics (IFR) setzt das Land etwa 276.000 Industrieroboter ein.

Mit großem Abstand stehen an zweiter und dritter Stelle Japan mit 46.000 und die USA mit 35.000 installierten Industrierobotern. Deutschland ist europäischer Spitzenreiter und installierte 2024 laut dem World Robotics Report 27.000 Roboter. Deutschlands Roboter-Automation beläuft sich auf 278.900 Einheiten, dies macht 40% aller Fabrik-Roboter in der EU aus.

Ohne Roboter kein Wachstum?

Die russische Regierung knüpft große Hoffnungen an die Robotisierung und rückt die Automation in den Fokus künftiger Wachstumsmodelle. Insbesondere in Branchen wie Maschinenbau, Elektronik, Logistik, Ernährungswirtschaft sowie Rüstungs- und Schwerindustrie sollen Roboter höhere Qualitätsstandards gewährleisten und für mehr Stückzahlen sorgen. Wichtige Treiber für den Einsatz von Industrierobotern seien historisch gesehen die Automobilindustrie, Metallverarbeitung und Elektronik, sagt Nikolai Tschernezow vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Kept, ehemals Teil des internationalen Branchenprimus KPMG. Allerdings tragen diese Wirtschaftsbereiche weniger zum russischen Bruttoinlandsprodukt bei als in führenden Roboterindustrien. „In Russland kamen diese Bereiche in den vergangenen drei Jahren auf einen BIP-Beitrag von 14%, in China lag der Wert hingegen bei 25% und in Südkorea bei 36%“, sagt Tschernezow. Dies hindere die russische Wirtschaft an einer breiten Robotisierung der Produktion, urteilt der Fachmann.

Experten verweisen unter anderem auf fehlende Spezialisten, die Abhängigkeit von Importen bei wichtigen Komponenten und mangelnde Eigenentwicklung. Der Direktor des Entwicklungszentrums für industrielle Robotertechnik der russischen Universität Innopolis, Nikolai Smirnow, schätzt den Lokalisierungsgrad russischer Robotertechnik derzeit auf 30% bis 50%.

Zu hoher Kostenaufwand

Einen weiteren Grund für die schleppende Robotisierung in Russland sehen Experten im hohen Kostenaufwand. Eine Studie der Beratungsgesellschaft TeDo ergab, dass der Robotereinsatz für 89% der befragten Firmen zu kostspielig ist. 41% der Umfrageteilnehmer geben als Hürde mangelndes Know-how und fehlende Spezialisten an. 33% der Befragten haben Bedenken hinsichtlich der Rendite.

Die niedrige Roboterbestand in Russland sei auf eine Investitionspause und die Überarbeitung langfristiger Produktionspläne der Unternehmen zurückzuführen, sagt Nikolai Tschernezow von der Wirtschaftsprüfung Kept. Außerdem wüssten Unternehmen zu wenig über Möglichkeiten zur Robotisierung, fügt der Berater hinzu. „Es hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Roboter aufwendig, teuer und nur für Großunternehmen bestimmt sind“, erklärt Tschernezow.

Quellen: Kommersant 1, 2, RBC (alle RU), Robotics Center of Silicon Valley 1, 2, 3, IFR (alle EN), Deutscher Robotik Verband, Handelsblatt


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04.09.2026

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