Zum vierten Mal in Folge ist die Zahl russischer Milliardäre in der Forbes-Rangliste gestiegen. Sie beträgt nun 155 Personen, 9 mehr als im Vorjahr – ein Rekordwert seit Beginn des Rankings. Das gemeinsame Vermögen der reichsten Russen stieg um rund 70 Mrd. Dollar, 61 Mrd. Euro, auf insgesamt 695,5 Mrd. Dollar, umgerechnet 608 Mrd. Euro.
Mordaschow reichster Russe
An der Spitze der russischen Superreichen steht der Stahlmagnat Alexej Mordaschow mit 37 Mrd. Dollar, 32 Mrd. Euro, auf Platz 57 der Weltrangliste. Sein Vermögen wuchs laut Forbes im vergangenen Jahr um knapp10 Mrd. Dollar mehr. 2022, dem Jahr der Eskalation im Ukrainekonflikt, war sein Vermögen auf 13 Mrd. Dollar geschrumpft. Aktuell liegt Mordaschow damit 10 Plätze hinter dem deutschen Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne (Platz 47 mit einem Vermögen von 41,9 Mrd.) und rund 30 Mrd. Dollar hinter dem reichsten Deutschen, Lidl-Gründer Dieter Schwarz (Platz 29 mit einem Vermögen von 67,2 Mrd.).
Forbes merkte an, dass die Aufwertung des Rubels um rund 16% im vergangenen Jahr dazu beigetragen habe, das Vermögen russischer Milliardäre zu steigern. Seit 2022, in dem die Anzahl an Milliardären von 123 auf 88 sank, ist die Anzahl russischer Milliardäre auf der Forbes-Liste stetig gewachsen: auf 110 im Jahr 2023, 125 im Jahr 2024 und 146 im vergangenen Jahr.
Mordaschows Vermögen kletterte binnen Jahresfrist um 8,4 Mrd. Dollar, befeuert von steigenden Goldpreisen und steigenden Aktienkursen der Einzelhandelskette Lenta – die im Januar das Geschäft der ehemals deutschen Baumarktkette Obi übernahm.
Wladimir Potanin Großanteilseigner von Norilsk Nickel ist der zweitreichste Russe auf Platz 79 mit 29,7 Mrd. Dollar. Der Lukoil-Gründer Wagit Alekperow, der die Liste zuletzt zwei Jahre angeführt hatte, fällt auf Rang 3 zurück mit 29,5 Mrd. zurück und liegt auf Platz 81 in der weltweiten Forbes-Rangliste. In den Top-100 rangieren außerdem Leonid Michelson (Novatek, Platz 88, 28,3 Mrd.) und Suleiman Kerimow (Platz 99, 25,7 Mrd.). Nach der Gesamtzahl der Milliardäre belegt Russland Platz fünf weltweit, hinter Deutschland (212 Milliardäre), Indien (229), China (610) und den USA (989).
„Nie war es einfacher, Milliardär zu sein“, kommentiert Forbes das neue Ranking und verweist darauf, dass die 3428 Milliardäre in der Welt ihr kollektives Vermögen um 20% auf mehr als 4 Bio. Dollar steigern konnten.
Agrar-Milliardäre: Eine neue Klasse entsteht
Die Zusammensetzung von Russlands Superreichen verschiebt sich spürbar. Traditionelle Vermögen aus Energie und Rohstoffen, die lange das Fundament russischen Reichtums bildeten, teilen sich den Platz mit einer wachsenden Klasse von „Agrar-Milliardären“, die von Russlands zunehmender Nahrungsmittel-Selbstversorgung und dem Exportausbau in asiatische, afrikanische und nahöstliche Märkte profitieren. Der bekannteste unter den Agrar-Milliardären ist Alexander Tkatschow, ehemaliger Landwirtschaftsminister und Gouverneur der Region Krasnodar, und heute Mehrheitsaktionär von Agrokomplex.
Der wohlhabendste Newcomer in der diesjährigen Rangliste ist Ruslan Rachimkulow mit 1,9 Mrd. Dollar, dessen Investmentholding Kafijat nach einem starken Kursanstieg der ungarischen OTP Bank in die Liste gelangte – zusammen mit seinem Bruder hält er rund 10% der Anteile.
Zu den Verlierern des Jahres zählt Pawel Durow: Der Telegram-Gründer büßte 61% seines Vermögens ein: von 17,1, ca. 15 Mrd. Euro, auf 6,6 Mrd. Dollar, umgerechnet 5,8 Mrd. Euro, was Forbes auf eine „deutliche Verschlechterung der Marktbedingungen“ zurückführt, darunter wachsende Einschränkungen für Telegram in Russland, einem der wichtigsten Märkte der App.
Sanktionen, Stiftungen und die Frage der Erbfolge
Das amerikanische Nachrichtenportal Bloomberg schrieb am 12. März von einer beschleunigten Rückverlagerung von russischen Vermögenswerten nach Russland, mit dem Aufbau juristischer Strukturen zur Absicherung der Erbfolge. Die Zahl neu gegründeter privater Stiftungen, Instrumente ähnlich angelsächsischen Trusts, die Vermögen für Begünstigte verwalten, stieg im vergangenen Jahr um mehr als 200% und beläuft sich inzwischen auf über 600, so die Moskauer Kanzlei FTL Advisers.
Der Grund, schreiben die Analysten von Bloomberg, ist struktureller Natur: Selbst Zypern und die Schweiz, traditionell bevorzugte Standorte, haben Verbote für die Verwaltung von Familien-Trusts mit russischen Treugebern oder Begünstigten eingeführt. Das Durchschnittsalter russischer Dollar-Milliardäre liegt bei über 60 Jahren – wie und wo sie ihr Vermögen weitergeben, wird erhebliche Folgen für einzelne Wirtschaftssektoren haben.
Quelle: Forbes, Bloomberg (EN) Morgenpost, Tagesschau (DE) Kommersant (RU)
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