Präsident Wladimir Putin hat gestern das Russlandgeschäft der deutschen Großhandelskette Metro unter Fremdverwaltung gestellt. Das Dekret benennt die russische Firma UK Torg RUS als eingesetzten Verwalter. Die Aktiengesellschaft wurde erst am 8. September von Johannes Tholey gegründet, dem Russlandchef von Metro. Der aus Deutschland stammende Manager besitzt die russische Staatsbürgerschaft, berichtet das Nachrichtenportal RBC. Die Gesellschaft ist unter derselben Adresse registriert wie die Moskauer Metro-Zentrale, meldet die Wirtschaftszeitung Vedomosti.
Metro hatte trotz Gegenwinds aus Deutschland am Russlandgeschäft festgehalten. Auf das Management und persönlich auf den Konzernchef habe es in Deutschland starken Druck gegeben, sagte Tholey Ende 2025 der russischen Ausgabe von Forbes. Seit 2019 hat Metro in Russland laut Tholey nur die zwei „schwächsten“ Großmärkte geschlossen.
Dass eine Tochter eines ausländischen Konzerns an das amtierende Management übergeben wurde, habe es bisher noch nicht gegeben, erklären mehrere Juristen gegenüber RBC. „Faktisch wurde eine Fremdverwaltung ohne externe Managementmannschaft eingeführt“, sagte Sergej Utschitel, Partner der russischen Anwaltskanzlei Pen & Paper. Der ausländische Eigentümer verliere die Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen, das operative Geschäft bleibe bei der bisherigen Führung. Utschitel spricht von der mildesten Variante von Fremdverwaltung. Michail Burmistrow, Chef des St. Petersburger Marktforschers Infoline, sieht in der Personalie ein mögliches Zeichen für das Vertrauen des Staates in das Management. / RBC, Vedomosti (beide RU)